Da Huawa, da Meier und I: Kabarett auf Bayrisch - DER SPIEGEL
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"Da Huawa, da Meier und I" "Vielleicht vergeht die Zeit auf dem Land doch langsamer"

Seit 16 Jahren machen "Da Huawa, da Meier und I" erfolgreich bayerisches Musikkabarett. In ihrem neuen Programm knöpfen sie sich die Zeit vor und haben mit SPIEGEL WISSEN darüber gesprochen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Foto: Chantal Pilsl

Matthias Meier ("da Meier"; links im Bild), 34, Siegi Mühlbauer ("I", Mitte), 36, und Christian Maier ("da Huawa"), 40, spielen Gitarre, Trompete, Schlagzeug, Bass, Flöte, Dudelsack, Tenorhorn, Blocköte, Klavier, Mundharmonika - und begeistern ihr Publikum mit Mundart, guter Laune und viel Witz.


SPIEGEL WISSEN: "Zeit is a Matz!" heißt Ihr neues Programm", das müssen Sie unseren nichtbayrischen Lesern erklären.

Christian: Matz kann heißen gewieft, schlau, raffiniert, wie ein Fuchs, aber auch hinterfotzig, du hast mich ausgeschmiert, bist verschlagen, hast mich hintergangen, je nach Zusammenhang.

Matthias: Zeit erlebt man ja auch mal als Fluch, mal als Segen. Sitze ich im Wirtshaus, geht die Zeit leider viel zu schnell vorbei, muss ich auf dem Landratsamt warten, dehnt sie sich furchtbar lang.

SPIEGEL WISSEN: Wie sind Sie auf so etwas Philosophisches wie die Zeit gekommen?

Christian: Mir ist aufgefallen, dass der Umgang mit der Zeit immer fahrlässiger wird, man nimmt sich irgendwie Zeit, aber man kratzt die Dinge nur an, statt sich richtig hinein zu begeben, man hetzt rum.

Siegi: Es gibt ja viele technische Errungenschaften, die unsere Freizeit verlängern sollen. Aber je mehr Zeit man angeblich spart, desto mehr hat einen die Zeit im Griff.

Matthias: Meine Mutter arbeitet im Büro, früher hatte sie eine Schreibmaschine und schrieb 15 Briefe am Tag. Heute muss sie 150 E-Mails schreiben, der Arbeitsanfall ist einfach viel größer geworden im Vergleich zu früher. Da kommt das Gehirn manchmal einfach nicht mehr mit.

Siegi: Arbeitsverdichtung und Multitasking. Als ich Kind war, hat man sich abends gemeinsam zum Nachtessen hingesetzt und miteinander geredet. Heute wird schnell gegessen, dann verschwinden alle in ihren Zimmern und schauen YouTube oder so.

Matthias: Manchmal gehe ich in eine Art Leerlauf, setze mich hin und tue ganz bewusst gar nichts.

SPIEGEL WISSEN: Ticken die Uhren in Bayern nicht anders als anderswo?

Christian: Früher hieß es ja immer, die Uhren in Bayern laufen rückwärts, und in manchen Wirtsstuben kann man solche Uhren auch heute noch sehen. Aber mit der Globalisierung, Weltoffenheit und Digitalisierung ist das beschleunigte Leben auch in Bayern angekommen.

Siegi: Ich glaube trotzdem, dass es diese spezielle bayrische Gemütlichkeit noch gibt, gerade auf dem Land. Wir haben bei uns im Ort einen Verein, der heißt "Gemütliche Schützengesellschaft". Man trifft sich, ballert ein wenig mit dem Luftgewehr herum, alles ganz beschaulich.

Christian: Aber ehrenamtlicher Einsatz wird definitiv weniger. Früher haben die Leute, wenn ein Fest anstand, unentgeltlich Arbeit verrichtet, das machen heute gerade noch die Alten. Den Jungen ist das nicht so wichtig, die haben dafür einfach keine Zeit. Früher sind wir auch mehr für Vereine aufgetreten.

SPIEGEL WISSEN: Wie hat sich für Sie drei das Thema Zeit verändert, seit Sie so erfolgreich sind ?

Christian: Von uns fordert niemand, um wieviel Prozent wir unsere Einnahmen jährlich steigern sollen, solchen Zwängen waren wir nie unterworfen. Wir sind langsam in das Auftritts-Geschäft reingewachsen.

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"Da Huawa, da Meier und I": Bayrisch, musikalisch, gemütlich

Foto: Chantal Pilsl

Siegi: Wenn wir drei Tage hintereinander auftreten, erholen wir uns anschließend drei Tage. Die Zeit nehmen wir uns.

Matthias: Man bleibt daheim, sitzt den ganzen Tag im Schlafanzug herum, legt sich in die Badewanne, denkt vor sich hin, macht ein wenig Büroarbeit, spielt ein wenig auf dem Keyboard.

SPIEGEL WISSEN: Christian, Sie ziehen sich oft für Monate zurück auf eine einsame Insel, um dort neue Lieder zu schreiben. Wie erleben Sie dort die Zeit?

Christian: Ich bin dort ohne Internet und Handy, bin nicht abgelenkt, und aus dieser Langeweile, aus diesem Leerlauf heraus entsteht dann Kreativität, bei mir jedenfalls. Ich brauche so zwei Wochen, bis mein Körper akzeptiert: Du machst jetzt nichts. Sonst denkt man ja oft im Urlaub: Du könntest ja mal ein Buch lesen, spazieren gehen oder einen Ausug machen. Ich lege mich in die Hängematte und schau aufs Meer hinaus, bis die Zeit reif ist für was Kreatives. Zu Hause, wenn ich Nachrichten höre und aktiv am Leben teilnehme, beeinusst das meine Sicht auf Themen, meine Denkweise und wirkt sich auf die Texte aus.

SPIEGEL WISSEN: In einem Lied heißt es, mit der Zeit schlagen wir uns herum, bis der "Boandlkramer", also der Tod, vor der Tür steht, "der koa Bargeld net nimmt".

Christian: Wir Menschen planen und wollen bestimmen, was passiert. Aber es gibt eben Ereignisse, Schwierigkeiten, Krankheiten, die uns trennen und uns klar machen, was wirklich zählt, ist Gesundheit und dass ich mich in diesem Leben so gut verwirkliche, wie es geht. Es sind Momente, die uns wacher machen, wir bekommen ein Gespür für das Wesentliche.

Siegi: Vielleicht vergeht die Zeit auf dem Land doch langsamer. Wenn ich in der Stadt lebe und immer nur auf Betonwände schaue, dann hat mein Blick keine Zeit umherzuschweifen. Zu Hause auf meiner Terrasse schau ich in die Landschaft, dann hat mein Blick Zeit, etwas aufzunehmen. Deswegen fährt der Städter so gern aufs Land, kauft sich im Wirtshaus einen Schweinebraten und sagt: Ach, ist das urig hier.

Matthias: Ich fahr dagegen gern mal in die Stadt und geh zum Pizzahut, denn das gibt's bei uns nicht. Und überhaupt, ich schau mir manchmal ganz gern den Wahnsinn an in der Stadt.

SPIEGEL WISSEN: Sie singen: "De Uhr de muass vom Deife sei, der wart auf mi und hoazt scho ei. Und dabei wäre das Leben so wunderschee, wenn ma se Zeit dafür nimmt".

Christian: Für uns selbst sollten wir uns mehr Zeit nehmen. Für unsere Träume, für das, was für uns wesentlich ist.

Siegi: Für unsere Ehefrauen. Für unsere Kinder.

Matthias: Aber auch fürs Wirtshaus, für Freunde. Das ist ja auch ein schmaler Grat mit den Ehefrauen, manchmal sind die ganz froh, wenn man ins Wirtshaus verschwindet.

SPIEGEL WISSEN: Die Menschen sollten sich mehr Zeit nehmen für Dinge, die ihnen wirklich gut tun. Nur: Wie wissen sie, was ihnen gut tut?

Matthias: Am besten schreibt man eine Liste mit allen Dingen, die man hat, und dann eine mit Sachen, auf die man auf keinen Fall verzichten will. So kommt man dann schon auf das Wesentliche.

Christian: Jeder Mensch weiß, was ihm gut tut. Der ganze Konsum-Mist und dieses Hamsterrad-Laufen führen nirgendwo hin. Nur wer sich das bewusst macht, hat eine Chance, da herauszukommen.

Aus SPIEGEL WISSEN 3/2016

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