Debatte Orientalist Raddatz fordert "Lex Islam"
Berlin - Raddatz, gegen den auf einer muslimischen Internetseite vor kurzem eine Morddrohung veröffentlicht worden war, forderte eine "Lex Islam", an dessen Ausarbeitung sich Politiker, Juristen und Wissenschaftler beteiligen müssten. Dem Deutschlandradio Kultur sagte Raddatz, in seiner jetzigen Form stimme der Islam nicht mit dem Religionsbegriff überein, der bei der Formulierung des Rechts auf Religionsfreiheit im Grundgesetz gemeint sei. Es müsse Klarheit darüber geschaffen werden, welche Art von Religion von der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit profitieren solle, sagte Raddatz dem Sender. Der Islam hat seiner Einschätzung nach ein "Staatskonzept, das sich alleine sieht und langfristig jedes andere Konzept verdrängen will". Gleichzeitig rief Raddatz zu einem Dialog mit den Muslimen auf.
Das muslimische Internetportal "islam.de" lud Raddatz seinerseits zu einem offenen Diskurs ein. "Nach den Erfahrungen in Holland ist es gerade für die Muslime Deutschlands überaus wichtig, über trennende Linien zu diskutieren, nicht jedoch Gräben aufzuwerfen und Konfrontationslinien aufzubauen", heißt es auf der Website. Man wolle "statt der gegenseitigen Verteufelung den sportlichen Streit um die besten Argumente pflegen". Die muslimische Gemeinde sei sich darüber einig, "dass öffentliche Kritik am Islam in Deutschland legitim ist".
Nach Recherchen des ARD-Magazins "Report Mainz" wurde der Islamkritiker auf einer Seite des deutschsprachigen muslimischen Internetportals "Muslim-Markt" massiv bedroht. Der Name Raddatz wurde mittlerweile allerdings durch "XXX" ersetzt. Trotz der Formulierung in Form eines Gebets zweifelten Experten nicht daran, dass es sich tatsächlich um einen Mordaufruf handelt. Das Internetportal wies die Vorwürfe jedoch zurück. "Der Muslim-Markt hat niemals zu irgendeiner Gewalttat noch zu irgendeinem Gesetzbruch aufgerufen", hieß es in einer Erklärung.
Raddatz hat in der Angelegenheit bereits Strafanzeige wegen öffentlicher Aufforderung zu einer Straftat erstattet. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden, die ein Vorermittlungsverfahren aufgenommen hatte, hat den Fall inzwischen abgegeben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg soll nun übernehmen, weil die Betreiber der Seite "Muslim-Markt", zwei türkischstämmige Brüder, in der Nähe von Bremen leben.