Mit Kippa gegen den Hass: "100 Prozent Respekt"
Bundesweite Demos gegen Antisemitismus Deutschland trägt Kippa
In mehreren deutschen Städten sind Demonstranten mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung, der Kippa, auf die Straße gegangen. Unter anderem in Berlin, Köln, Erfurt, Magdeburg und Potsdam protestierten Juden und Nicht- Juden gegen Antisemitismus.
Zu einem Zwischenfall war es in Berlin gekommen. Eine kleinere Demonstration gegen Antisemitismus wurde in Neukölln kurz nach Beginn abgebrochen, weil sich die Teilnehmer bedroht fühlten.
Den Aufzug hatte laut Polizei eine Privatperson für fünf Teilnehmer am Hermannplatz angemeldet, drei waren erschienen. Einer der Störer entriss einem Demonstranten eine Israel-Fahne. Sie wurde weggeworfen und beschädigt. Die Polizei nahm die Personalien auf. Es werde wegen des Verdachts der Sachbeschädigung ermittelt, sagte ein Sprecher.
Mit Kippa gegen den Hass: "100 Prozent Respekt"
Laut dem Jüdischen Forum sind die Teilnehmer der Kundgebung bespuckt und als Terroristen beschimpft worden. Daraufhin sei die Demo abgebrochen worden. Die Polizei bestätigte, dass die Demonstranten ihre Kundgebung abbrachen. Über Beschimpfungen habe man keine Erkenntnisse, sagte eine Sprecherin.
Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, warnte in Berlin davor, den Judenhass in Deutschland kleinzureden. Viele Juden hätten davor Angst, sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Er forderte "100 Prozent Respekt" für Juden, aber auch für Muslime, Ausländer, Homosexuelle und "für alle Hautfarben".
Anlass für die Demonstrationen war die Attacke auf einen 21-jährigen Israeli und seinen Freund vor gut einer Woche in Berlin. Drei arabisch sprechende Männer hatten am 17. April den Israeli, der eine Kippa trug, antisemitisch beschimpft.
Einer der Männer hatte auf den 21-Jährigen mit einem Gürtel eingeschlagen. Der mutmaßliche Täter, ein Palästinenser aus Syrien, der seit 2015 in Deutschland lebt, sitzt in Untersuchungshaft.
2500 Teilnehmer in Berlin
In der Hauptstadt versammelten sich nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen vor dem Jüdischen Gemeindehaus in Berlin-Charlottenburg. Das Motto lautete: "Berlin trägt Kippa" Zentralratspräsident Schuster sprach dort von wachsenden Sorgen unter Deutschlands Juden. "Es reicht", betonte er.
Die Kundgebung wurde auch vom Zentralrat der Muslime unterstützt. Es gehöre zu seinen tiefsten islamischen Glaubensüberzeugungen, gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit und Rassismus Gesicht zu zeigen, sagte der Zentralrats-Vorsitzende Aiman Mazyek dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Vor dem Kölner Dom versammelten sich laut Polizei 500 Menschen. "Wir sind überwältigt von dem Zuspruch", sagte ein Sprecher der Organisatoren in Köln. Auch in Erfurt, Potsdam und Magdeburg gingen Menschen auf die Straße.
Bereits am Vormittag fand in Erfurt die Solidaritätskundgebung "Thüringen trägt Kippa" statt, an der auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) teilnahm.