Die Kinder von New Orleans "Wir hatten solche Angst"
Hamburg - Der Hurrikan peitschte gnadenlos über das Meer. Durch ein 60 Meter großes Loch im Deichsystem ergoss sich eine meterhohe Flutwelle in die Stadtmitte von New Orleans, mehr als 1200 Menschen ertranken in den Wassermassen oder wurden von den Trümmern ihrer einstürzenden Häuser erschlagen.
New Orleans, nachdem "Katrina" über die Stadt hinweggezogen war
Foto: AFPNach dem Sturm versank New Orleans im Chaos. 80 Prozent der Stadt waren überschwemmt. Es gab weder Lebensmittel noch Trinkwasser. Bewaffnete Plünderer zogen durch die Straßen. Überall hing der Geruch des Todes in der Luft.
Ein knappes Jahr später wirft der 14 Jahre alte Calvin seine Karte auf den Stapel. "Uno, Uno", ruft er und lacht laut auf. Fast scheint es, als seien die Naturkatastophe, die überhastete Flucht, die quälende Angst um Freunde und Verwandte schon vergessen. Doch natürlich erinnern sich die Kinder noch, wie sie "Katrina" erlebt haben.
Carley erinnert sich genau daran, wie sie um das Leben ihres Vaters gebangt hat. Calvin denkt jeden Tag an seine Hündin Cookie, die er im überfluteten New Orleans zurücklassen musste. Und Brandon weiß noch, wie unwirklich ihm seine Heimatstadt erschien, als er zum ersten Mal nach der Flucht dorthin zurückkehrte.
Carley, Calvin und Brandon sind drei von zehn amerikanischen Jugendlichen, die auf Einladung des Hamburger Bürgervereins Wilhelmsburg in diesem Sommer Urlaub in Deutschland gemacht haben. Vor einem Jahr mussten sie New Orleans überstürzt verlassen. Viele flohen mit ihren Eltern und Geschwistern zu Verwandten nach Houston oder nach Baton Rouge - einer Stadt rund eine Stunde nordwestlich von New Orleans.
"Die Kinder sollten es einige Wochen nur gut haben", sagt Ulrich Seumenicht vom Bürgerverein Wilhelmsburg, "und alle Sorgen hinter sich lassen." Er hat den Aufenthalt organisiert. Der 56-Jährige war einst selbst zu Gast in den USA - nach der Flut 1962. Damals hatten Amerikaner aus Louisiana Geld für die Hamburger Flutopfer gesammelt. "Jetzt wollte ich mich revanchieren", sagt Seumenicht.
New Orleans ein Jahr später
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