Vergewaltigungsvorwürfe gegen Dieter Wedel Familienministerin spricht von "Schweigekartell" bei Öffentlich-Rechtlichen
Familienministerin Katarina Barley (SPD)
Foto: Andreas Arnold/ dpaDie geschäftsführende Familienministerin Katarina Barley hat nach den Vorwürfen gegen Regisseur Dieter Wedel eine Debatte über Sexismus und Gewalt gegen Frauen gefordert. Dies gelte unabhängig von dem einen prominenten Fall, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
"Ich bin normalerweise vorsichtig mit solchen Worten, aber: Wenn sich die Anschuldigungen bestätigen, dann ist das ein Skandal, von dem sehr viele Menschen gewusst haben müssen", sagte Barley. "Ich hoffe sehr, dass jetzt viele Frauen den Mut finden, ihr Schweigen zu brechen."
Barley betonte, es gelte die Unschuldsvermutung. Aber es sei eigenartig, dass so wenige der vielen Weggefährten aus der Branche Stellung beziehen. "Das erweckt den Eindruck eines Schweigekartells. Ich erwarte hier gerade von den beteiligten öffentlich-rechtlichen Institutionen rückhaltlose Aufklärung", sagte die Politikerin. Es gehe nicht um Einzelfälle, sagte die Familienministerin. "Sexismus und sexuelle Übergriffe haben mit einem strukturellen Machtungleichgewicht zu tun. Darüber müssen wir sprechen."
Mehrere Frauen werfen Dieter Wedel vor, sie während der gemeinsamen Arbeit sexuell belästigt und sogar vergewaltigt zu haben. Der Regisseur ("Der Schattenmann") wies alle Anschuldigungen zurück.
Regisseur Dieter Wedel
Foto: Uwe Zucchi/ dpaBarley mahnte mehr gesellschaftlichen Mut an: "Gewalt im privaten Umfeld wird noch viel zu oft als privat angesehen - da wird dann häufig weggeschaut und nichts gesagt", sagte sie dem RND. "Zudem werden in Deutschland Menschen, die sich einmischen, schnell als Denunzianten gebrandmarkt. Da läuft etwas in der öffentlichen Diskussion grundsätzlich falsch."
Barley hatte im Zuge der #MeToo-Debatte bereits im vergangenen Jahr schärfere Gesetze gegen sexuelle Übergriffe gefordert.