Crack in Berlin: Immer mehr Konsum im öffentlichen Raum - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Drogenproblem in Berlin Immer mehr Crackkonsum im öffentlichen Raum

Der steigende Crackkonsum ist eine Herausforderung für deutsche Städte, Politik und Sozialarbeiter. Die Berliner Landessuchtbeauftragte erläuterte jetzt das Problem in der Hauptstadt.
Drogensüchtige mit Crackpfeife (Archivbild): Schwer zu erreichende Klientel
Drogensüchtige mit Crackpfeife (Archivbild): Schwer zu erreichende Klientel

Drogensüchtige mit Crackpfeife (Archivbild): Schwer zu erreichende Klientel

Foto: Boris Roessler / dpa

Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber das Straßenbild in Berlin spricht an einigen Orten Bände: Die Berliner Landessuchtbeauftragte Heide Mutter weiß, dass es in der Hauptstadt bestimmte Plätze gibt, »an denen sehr viel Crack im öffentlichen Raum konsumiert wird«. In dieser Hinsicht berüchtigt sind der in Wedding gelegene Leopoldplatz oder der Görlitzer Park in Kreuzberg.

Konkrete Zahlen sind laut der Suchtbeauftragten aber nur schwer zu erfassen: »Wir haben kein System, um Menschen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, zu zählen«, sagte Mutter der Deutschen Presse-Agentur.

Doch auch in den Konsumräumen, in denen Abhängige unter medizinischer Aufsicht Drogen nehmen, beobachten Suchthilfe-Initiativen wie Fixpunkt eine Zunahme: »Wir sehen, dass Crack eine immer größere Rolle spielt«, sagt Geschäftsführer Raphael Schubert. Seit etwa eineinhalb Jahren beobachte man einen Anstieg des Crackkonsums in den Räumen.

»Stärker auf die Substanz einstellen«

Laut Angaben der Landessuchtbeauftragten gibt es derzeit fünf Konsumräume und drei Konsummobile in Berlin. Spezielle Angebote für Crackabhängige fehlen aber noch. Laut Schubert stellt die Betreuung von Crackkonsumenten die Helfer und Initiativen vor Herausforderungen, man müsse sich stärker auf die Substanz einstellen.

Crack gilt als extrem schnell süchtig machendes Rauschgift. Die Droge wird auf Kokainbasis, oft vermischt mit Backpulver, hergestellt. Die weißgelblichen Kristalle werden meist in einer Pfeife geraucht. Sie verdampfen bei 96 Grad mit einem knackenden Geräusch – daher soll die Droge ihren Namen haben.

»Es ist schwieriger, eine Beratung mit Crackkonsumenten durchzuführen«, sagt Schubert. »Der Rausch, den die Droge verursacht, kommt und geht schnell.« Durch die aufputschende Wirkung auf die Konsumenten sei Crack im öffentlichen Raum auch sichtbarer. Abhängige müssten die Droge mehrmals täglich beschaffen und zu sich nehmen. Eine Möglichkeit zur Substitution – wie etwa die Einnahme von Methadon bei einer Heroinabhängigkeit – gibt es bei Crack nicht.

Zu wenige Experten, keine bezahlbaren Räume

Hinzu komme ein großer Mangel an Fachkräften in den Konsumeinrichtungen. Dass diese stunden- oder tageweise schließen müssen, sei laut der Landessuchtbeauftragten keine Seltenheit. Ein Ausbau der niederschwelligen Hilfsangebote wie Konsumräume sei auch deshalb schwierig, weil sich keine geeigneten und bezahlbaren Räume finden lassen, sind sich Schubert und Mutter einig.

Derzeit prüfe der Senat »ziemlich viele Möglichkeiten«, um das Problem stärker einzudämmen. Unter anderem wird versucht, die Öffnungszeiten der Konsumräume zu erweitern, »sofern Finanzen und Fachkräfte zur Verfügung stehen«, so Mutter. Im Herbst 2024 sei zudem eine Fachtagung mit Experten zur Crackproblematik in Berlin geplant.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Informationen zur Namensherkunft von Crack präzisiert.

ala/dpa