Evangelischer Kirchentag Eine Million Gläubige erwartet
Köln - Geistliche aus aller Welt wollen vom Evangelischen Kirchentag in Köln aus eine Botschaft zum G-8-Gipfel nach Heiligendamm schicken. Das kündigte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, heute im WDR-Morgenmagazin an. Über den genauen Wortlaut werde noch beraten. Im Kern gehe es um das Thema "Gerechte Teilhabe".
Diesen Grundsatz habe man als EKD bereits auf die Verhältnisse in der eigenen Gesellschaft angewandt, sagte Huber. Wichtig sei jetzt, dass derselbe Grundgedanke auch die internationalen Beziehungen präge. Der Kirchentag trage dazu bei, dass in Deutschland das Interesse dafür geweckt werde, welche Position Christen und der christliche Glaube in Bezug auf die großen Auseinandersetzungen unserer Zeit vertreten.
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, forderte unterdessen mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Hunger in der Welt.
Es sei nicht hinnehmbar, dass weiterhin 800 Millionen Menschen vom Hunger bedroht seien und dass täglich 10.000 Kinder sterben, sagte Schneider im "Deutschlandradio Kultur" an die Adresse der Teilnehmer des G-8-Gipfels in Heiligendamm. Auch "hinter dem Zaun" gebe es Christenmenschen. Die Positionen, die vom Kirchentag ausgingen, sollten aufrütteln.
Nach Meinung des Kirchentagspräsidenten Reinhard Höppner müssen evangelische Christen G-8-kritisch sein. "Die Globalisierung ist kein Schicksal, sondern eine Gestaltungsaufgabe", sagte Höppner. "Und so, wie sie derzeit von den Mächtigen der Welt gestaltet wird, ist vieles absolut nicht akzeptabel und widerspricht der Grundbotschaft, die wir als Christen in der Welt zu verkünden haben." Gleichzeitig verurteilte Höppner die Ausschreitungen von Rostock. Die Gewaltbereiten seien genauso gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Menschen, wie viele andere auch.
Der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag findet parallel zum G-8-Gipfel in Heiligendamm statt und befasst sich ebenfalls mit dem Thema Globalisierung. Den offiziellen Start bildet ein Eröffnungsgottesdienst heute Nachmittag. Bis zum 10. Juni sind rund 3000 Veranstaltungen zu den Themen Globalisierung, Armutsbekämpfung, Klimawandel und Ökumene geplant. An den fünf Tagen werden neben den rund 100.000 Dauergästen mehr als eine Million Besucher von Einzelveranstaltungen erwartet.
jdl/AP/dpa