Fame Fatale Ikone des Bösen
Die Amerikaner haben Osama Bin Laden gekriegt, auf gute alte John-Wayne-Manier, er ist tot. Als sei ein Krieg gewonnen worden, jubelten die Menschen vor dem Weißen Haus und am Ground Zero, skandierten U-S-A, U-S- A, schwenkten ihre Flaggen. Endlich Zahltag.
Aber die triumphierenden Gesten sind überflüssig. Osama Bin Laden ist tot, aber er ist nicht erledigt, unabhängig davon, ob und wie sehr al-Qaida geschwächt ist, sein Netzwerk des Terrors. Ruhm gilt nicht nur für die Menschen, die wir lieben und verehren, sondern auch für die, die wir fürchten und verachten. Osama Bin Laden, der Mann, der am 11. September 2001 aus der Ferne vier Flugzeuge orchestrierte und Amerika ins Herz traf. Eine Ikone des Bösen.
Zehn Jahre lang war Osama Bin Laden der meistgesuchte Mann der Welt. Der meistgehasste und der meistgefürchtete auch - weil er immer einen Schachzug voraus schien. Er hatte sich in nichts aufgelöst, blieb unauffindbar. Ein Verschwindekünstler. Ein Phantom, von dem niemand wusste, ob es noch lebt oder nicht. Oft hieß es: Jetzt sind wir ihm auf der Spur. Am Ende glaubte es keiner mehr.
Auch nach seinem Tod bleibt Bin Laden gefährlich
Trotzdem und gerade deswegen wurde auf vielen Basaren in der arabischen Welt Bin Ladens Bildnis angeboten, mal mit Kalaschnikow, mal ohne. Junge, suchende Männer wollten ihm folgen, für ihn sterben. Und so wurde weitergemordet. Auf Bali, in Spanien. Keiner seiner Anhänger hat Bin Laden verraten, in all den Jahren nicht. Und das, obwohl 27 Millionen Dollar Kopfgeld auf ihn ausgesetzt waren.
Osama Bin Laden, der Mann mit dem ebenmäßigen Gesicht, mit einem irritierend gütigen, weisen Zug. Wenn er sprach, dann nicht laut und aggressiv, sondern mit Vorleser-Stimme.
Es gibt wenige Fotos von Osama Bin Laden. Sein Look ist über die Jahre der gleiche: weißer Turban, Bart, einfache Kleidung. Nie gab es Bilder, die ihn bei etwas Alltäglichem zeigten, etwa wie er aß oder trank oder sich die Zähne putzte. Bin Laden gab den Weichensteller, den Strippenzieher, der mahnend den Zeigefinger erhob.
Als er vor wenigen Jahren seinen grauen Bart dunkel gefärbt hatte, orakelte ein Experte, dies sei jetzt ein eindeutiges Zeichen für Krieg. Mysteriös, gefährlich. Das bleibt Bin Laden auch nach seinem Tod. Seine Anhänger werden in ihm den Märtyrer sehen. Mit einem Kopfschuss zur Strecke gebracht.