"Titanic"-Fans Faszination des Untergangs
Archivbild der "Titanic": Kein Unglück der Neuzeit fasziniert so viele Menschen
Foto: dpaKein Unglück bewegte in der Neuzeit so viele Menschen, wurde in so vielen Büchern und Filmen beschrieben wie der Untergang der "Titanic". Der Name des Schiffs gilt als Synonym für die Hybris des Menschen, der mittels Technik die Natur zu beherrschen versucht - und scheitert.
Tausende Schicksale sind direkt mit dem Untergang verbunden. Rund 1500 Menschen starben, Zehntausende trauerten um Verwandte und Freunde. Einer von ihnen ist Andre Ryerson, dessen Großvater sich in der Nacht des 14. April 1912 heldenhaft verhielt und sein Leben verlor. Seit Ryerson vom Schicksal seines Vorfahren erfuhr, lässt ihn der Untergang der "Titanic" nicht mehr los.
Der bis heute kaum fassbare Untergang des Jahrhundertdampfers fasziniert aber auch Menschen wie Jürgen Kliewe, der die modernen Heizsysteme des Schiffs derart bewunderte, dass er später selbst das Schiff baute, als Modell, in zweifacher Ausführung. Oder Brigitte Saar, die dem Wrack der ""Titanic"" so nahe war wie nur wenige.
SPIEGEL ONLINE stellt fünf Menschen vor, deren Leben von der "Titanic" maßgeblich geprägt wurden.
Enkel eines Passagiers - Großvater trat Platz im Rettungsboot ab
Andre Ryerson ist ein Enkel des Kanadiers René Jacques Lévy, der beim Untergang der "Titanic" einer Frau in ein Rettungsboot half und selbst auf dem sinkenden Schiff zurückblieb. Ryerson ist 75 und lebt mit seiner Familie in den USA, in Amherst, Massachusetts.
René Jacques Lévy mit Töchtern: Das Mädchen neben ihm ist Ryersons Mutter Simone
Foto: Terry Zakine/ Royal Society of ChemistryIch war sieben Jahre alt, als meine Mutter mir erzählte, dass mein Großvater beim Untergang der "Titanic" gestorben ist. Wir saßen damals in der Küche unserer Wohnung in Montréal. Es war eine kleine Küche, wir haben oft am Tisch geredet. Meine Mutter weinte und bekam einen roten Kopf - so wie auch später immer, wenn sie von ihrem Vater erzählte.
René Jacques Lévy war bei seinem Tod erst 36. Er war ein erfolgreicher Chemiker und Erfinder und geschäftlich in Europa unterwegs. Eigentlich sollte er zehn Tage später ein anderes Schiff nehmen, wollte aber schneller bei seiner Familie sein. Meine Mutter hing sehr an ihm, war immer ein Vaterkind. Sie war bei seinem Tod sieben Jahre alt und die älteste von drei Töchtern. Meine Großmutter wurde nach dem Unglück in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, meine Mutter und ihre Schwestern waren damit quasi Waisen und kamen in eine Klosterschule.
Wir haben wenig über die "Titanic" gesprochen. Es war einfach eine zu große Tragödie, ein schwarzer Fleck in unserer Familiengeschichte. Ich habe das Thema gemieden, wollte mir Filme wie "A Night to Remember" und "Titanic" nicht ansehen. Besonders schlimm war die Tatsache, dass wir nichts über Lévys letzte Stunden wussten. Meine Mutter malte sich immer aus, wie er in dem eiskalten Wasser ertrunken ist.
Erst vor wenigen Wochen habe ich Details erfahren. Die Royal Society of Chemistry hat mich kontaktiert und mir erzählt, dass sie Lévy postum ehren wolle, weil er damals seinen Platz in einem Rettungsboot abgetreten habe. So heißt es - aber genaugenommen hatte ja niemand einen Platz, es herrschte Chaos. Beim Untergang verhielten sich manche Männer schäbig, andere waren Mitläufer, einige aber folgten dem Leitspruch "Frauen und Kinder zuerst".
Heute weiß ich, mein Großvater war einer dieser Männer, für die es schon ein Denkmal gibt. Er half einer Frau, die mit ihm in derselben Kabine in der zweiten Klasse gewesen war, in das Rettungsboot 11, sagte "au revoir", winkte ihr nach - und wurde nie wieder gesehen. Auch seine Leiche wurde nicht gefunden. Die Frau hat die Erlebnisse in ihrem Tagebuch festgehalten, die Royal Society of Chemistry stieß in einem Archiv darauf.
Seit ich von dieser Heldentat weiß, hat sich für mich viel geändert. Ich recherchiere zu dem Thema, vor allem zu der Frage, was schiefgegangen ist. Und im Herbst werde ich die Ehrung für Lévy in London entgegennehmen, voraussichtlich mit meinem Sohn. Außer uns leben nur noch mein jüngerer Bruder und zwei Kinder eines Cousins. Es ist so traurig, dass Lévys drei Töchter nicht mehr die Wahrheit über ihren Vater erfahren haben. Sie sind alle Ende der achtziger Jahre gestorben.
Protokoll: Simone Utler
Der Modellbauer - 5300 Stunden Detailarbeit
Jürgen Kliewe hat zwei "Titanic"-Modelle im Maßstab 1:100 gebaut. Der 49-Jährige ist seit 1984 mit seiner Frau Ute verheiratet und hat zwei Söhne. Kliewe leitet das Bau- und Ordnungsamt in Ueckermünde.
Titanic: Legende in 1:100
Als Kind war die "Titanic" für mich ein Objekt der Sehnsucht. Unsere Wohnung in Ueckermünde hatte nur Ofenheizung, ich musste draußen aufs Klo gehen. Das war noch in den siebziger Jahren so. Auf der "Titanic" gab es dagegen schon 1912 moderne Heizsysteme, und in der ersten Klasse hatte jeder ein Bad. Das hat mich beeindruckt. Mein Vater hat mir viele Geschichten über das Schiff erzählt. Als ich zwölf war, hat sich bei mir die Faszination festgesetzt. Nicht für die Tragödie des Untergangs, sondern für das Schiff selbst.
Mit 14 habe ich angefangen, mein erstes "Titanic"-Modell zu bauen. Als Vorlage hatte ich ein einziges Foto, eine Seitenansicht. Mehr gab es bei uns in der DDR nicht. Die Größe - 269 Meter - wusste ich ja. Auf Grundlage des Fotos habe ich einen groben Plan gezeichnet und ein erstes Modell gebaut. Es ist wie das Original bei der Jungfernfahrt gesunken, in einem Torfloch. Ich hab das Schiff nicht geborgen, und danach war es mit der "Titanic" für mich auch erst mal gut. Ich wusste, dass ich ohne weitere Vorlagen und Pläne kein besseres Modell bauen konnte. Das war 1976.
Richtig ernst wurde es dann Anfang der neunziger Jahre. Weihnachten 1992 hat mir meine Frau ein weiteres "Titanic"-Buch geschenkt. Da hat es mich gepackt. An Silvester habe ich den Kiel für mein erstes Modell im Maßstab 1:100 gelegt. Ich konnte mir nie vorstellen, etwas anderes als Schiffe nachzubauen, die haben es mir einfach angetan. Bei der "Titanic" kamen ihre beeindruckende Größe und Schönheit dazu.
1995 war das Modell fertig, 2,69 Meter lang. Insgesamt habe ich 2500 Stunden reingesteckt, aber es war nie eine Obsession. Ich wollte mir einfach beweisen, dass ich so ein Modell bauen kann. Andere Leute sammeln Bierdosen, das finde ich weniger sinnvoll. Meine Frau hat auch nicht gemeckert, sie hat immer gesagt: "So weiß ich wenigstens, wo du bist."
Macher einer "Titanic"-Ausstellung haben mich 1998 gefragt, ob ich ihnen mein Modell leihen würde. Später ging es auf Tour in die USA. 1998 habe ich auch mit dem Bau eines zweiten Modells begonnen. Dafür habe ich 2800 Stunden gebraucht - 300 mehr als für das erste Modell, weil meine Ansprüche gestiegen waren. Mit Ätztechnik habe ich filigrane Teile, einen Drittel Millimeter stark, in Messing eingearbeitet. 2001 war Modell 2 fertig, es ging direkt zu Ausstellungen nach Amerika.
Jetzt sind mehr als zehn Jahre vergangen, und die Modelle sind immer noch unterwegs. Gesehen habe ich sie seither nicht mehr. Aber ich bekomme ab und zu Fotos und Informationen, wo die Schiffe unterwegs sind. Die letzte Mitteilung stammt vom Dezember. Da waren die Modelle in Brasilien und Australien. Die Veranstalter wissen vermutlich selber nicht mehr, welches Modell welches ist.
Irgendwann will ich meine Modelle nach Hause holen. Das zweite will ich behalten, weil es das genauere der beiden ist. Das erste werde ich wohl verkaufen, das Ding nimmt mit seinen fast drei Metern ja auch viel Platz weg. Ideal wäre ein Glaskasten in einem Restaurant oder Museum hier in Ueckermünde, wo ich es leicht sehen könnte.
Heute ist die "Titanic" als Modellbauobjekt für mich uninteressant, aber das Schiff beschäftigt mich immer noch. Ich betreibe eine Internetseite zum Thema. Wer der "Titanic" so viel Herzblut und Lebenszeit geopfert hat wie ich, kann sie nicht einfach loslassen.
Protokoll: Benjamin Schulz
Der Statistiker - drei Jahre Recherche für eine Passagierliste
Hermann Söldner hat eine Liste mit allen Passagieren und Crewmitgliedern der "Titanic" erstellt. Sein Ergebnis: 2208 Menschen waren an Bord, 712 haben das Unglück überlebt. Es kursieren auch andere Zahlen, doch die sind falsch, sagt Söldner. Der 57-Jährige ist Lehrer für Biologie und Chemie und lebt in Oberbau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.
Hermann Söldner: "Die Geschichten haben mich fasziniert"
Angefangen hat alles mit einem Buch von Robert Ballard über die Entdeckung des Wracks. 1998 lief der Film mit Leonardo DiCaprio in den Kinos, es herrschte überall große "Titanic"-Euphorie. Ich habe mir in einer Buchhandlung ein Standardwerk über den Untergang gekauft und in Bezug auf die Passagierlisten gemerkt: Da fehlen Namen, da stehen nicht alle drin. Das war die Initialzündung.
Wie viele Menschen waren auf dem Schiff? Wie viele wurden gerettet? Und wer waren diese Menschen? Das wollte ich wissen. Ich habe dann alle verfügbaren Informationen zusammengetragen, aus Büchern, aus Archiven im Ausland, in Zusammenarbeit mit anderen Hobby-Forschern.
Meine Großmutter erzählte oft vom Untergang der "Titanic", doch eine persönliche Beziehung zu der Tragödie habe ich eigentlich nicht - dafür aber ein Faible für Statistiken. Früher habe ich mich mit Ortsnamen in Ostdeutschland beschäftigt, dabei entstand eine Liste mit 16.000 Einträgen. Die 2208 Menschen auf der "Titanic" sind dagegen fast eine Kleinigkeit.
Drei Jahre hat es gedauert, bis ich alle Namen mit den richtigen Schreibweisen zusammengetragen hatte und wusste, ob die Menschen überlebt haben oder nicht. Hinzu kommen Informationen über Adressen, Geburtsdaten, Ticketnummern - aber da gibt es noch große Lücken.
Ein paar tausend Mark haben mich meine Recherchen damals schon gekostet. Für eine Originalliste eines Hinterbliebenen-Fonds habe ich 3000 Dollar hinlegen müssen. Meine Freunde betrachten die "Titanic"-Leidenschaft als Spleen - und das ist sie ja auch, wenn man ehrlich ist. Aber braucht nicht jeder Mensch etwas, das ihn besonders interessiert?
Die Geschichten hinter den Statistiken haben mich besonders fasziniert. Zum Beispiel die eines Passagiers aus der zweiten Klasse. Er hatte seine Kinder aus Frankreich entführt und war unter falschem Namen nach England gereist, um in Amerika ein neues Leben anzufangen. Oder die Schicksale einiger Passagiere, die aus dem Meer an Bord eines Rettungsbootes gezogen wurden - und dann doch noch starben.
Als die Liste fertig war, habe ich sehr viel Zufriedenheit verspürt - obwohl Vollständigkeit ja eigentlich das schlimmste für einen Sammler ist. Die "Titanic" hat mich seitdem nicht losgelassen, es gibt immer noch so viel zu entdecken. Da geht es mir wie den anderen "Titanicern", eine überschaubare Gemeinschaft, die bei der Stange bleibt und die das Schiff bis heute fasziniert. Momentan schaue ich mir mit einem Kollegen die Crew noch einmal genauer an.
Es gibt allerdings auch Dinge, die wird man nie mehr herausfinden. Zum Beispiel Hintergründe zu den Hongkong-Chinesen, die an Bord waren. Da verliert sich jegliche Spur.
Protokoll: Hendrik Ternieden
Die Wrack-Expertin - Per Tauchgang in die "Titanic"-Szene
Brigitte Saar, 37, arbeitet hauptberuflich als Journalistin - ihre Freizeit widmet sie größtenteils der "Titanic". Als sie bei einem Quiz einen Tauchgang gewann, konnte sie ihr Glück erst gar nicht fassen. Später schrieb sie ihre Magisterarbeit über das Wrack.
Brigitte Saar: "Zwischen andächtiger Ergriffenheit und Indiana-Jones-Gefühl"
Ich bin die Wracktante. Am 9. September 1998 habe ich einen Tauchgang zur "Titanic" mitmachen dürfen - ein unglaubliches Erlebnis. Ich war hin und hergerissen zwischen andächtiger Ergriffenheit und einem Indiana-Jones-Gefühl. Der Tauchgang, den ich gewonnen hatte, dauerte insgesamt elf Stunden - von Kapsel zumachen bis Kapsel aufmachen, allein um bis zum Meeresboden zu sinken, brauchten wir zwei Stunden. Wir landeten ein Stück vom Wrack entfernt und tasteten uns langsam ran. Erst sahen wir unidentifizierbare Brocken, Geschirr, dann die Steuerbordseite des Schiffs: runde Bullaugen, eckige Fenster, das Deck. Durch eine eingestürzte Wand konnten wir die Badewanne in der Kabine des Kapitäns sehen.
Ich versuchte, das mit den Fotos und Deckplänen abzugleichen, die ich kannte. Wir schwebten in der Kapsel auch den Mast entlang. Der liegt da wie ein Mikado-Stäbchen. An der Backbordseite steuerte der Pilot durch ein Loch in den Rumpf - da wurde ich echt nervös. Ich habe immer wieder versucht, Fotos zu machen, aber es war einfach sehr dunkel. Mein größter Traum: noch mal hin und mehr Fotos machen. Aber das ist unrealistisch - allein der Tauchgang kostet inzwischen 49.000 Euro.
Seit ich 13 bin, begeistere ich mich für die "Titanic". Meine Großmutter gab mir damals das Buch "Der Untergang der Titanic" von Walter Lord. Ich verschlang es, hielt es aber die ganze Zeit für einen Roman. Als mir jemand sagte, das sei real, konnte ich es erst gar nicht glauben. Es gab so viele Schicksale, so viele Sekundenbruchteile, in denen Entscheidungen über Leben und Tod getroffen wurden. Damals las ich in der Stadtbibliothek, was ich finden konnte. Heute habe ich ein Billy-Regal voll mit Büchern über die "Titanic".
Zwei bis drei Monate nach dem Tauchgang entdeckte mich die Szene. Erst wurde ich eingeladen, Vorträge zu halten, innerhalb eines Jahres war ich Mitglied im deutschen und im Titanic-Verein Schweiz . Inzwischen bin ich den Clubs in Skandinavien, Irland, England und Kroatien beigetreten. Aktiv bin ich zurzeit vor allem im Schweizer Verein, wo ich zweite Vorsitzende und verantwortlich für die Vereinszeitschrift bin.
Der Besuch beim Wrack war ein Türöffner: Ich habe etwas erlebt, worüber andere "Titanic"-Fans mit mir sprechen wollen. Und so beschloss ich, meine Magisterarbeit darüber zu schreiben. Es war allerdings harte Arbeit, meinen Professor zu überzeugen, dass ein englisches Schiff etwas mit amerikanischer Kulturgeschichte zu tun hat. Aber schließlich forschte ich zur Entdeckung und Vermarktung des Wracks der "Titanic" in Amerika.
Dass irgendetwas diese Faszination schwächen könnte, kann ich mir nicht vorstellen. Es ist ja nicht nur das Thema an sich, sondern ich habe dadurch einen wirklich netten Freundeskreis gefunden. Lange Zeit habe ich mich für einen einzelnen Freak gehalten, aber inzwischen weiß ich, dass es wahnsinnig viele von uns gibt. Und immer wieder lernt man neue Freaks mit neuen Themen kennen. Es ist ein riesiges Netzwerk, man hilft sich bei den verschiedenen Projekten.
Und wir reden durchaus über andere Themen, wie Liebeskummer, den Job oder Diäten. Zu meiner Leidenschaft bekannt habe ich mich öffentlich nur während des großen Hypes um den Kinofilm von James Cameron. "Du bist also in einem Leonardo-DiCaprio-Fanclub", sagte damals jemand zu mir. Da beschloss ich, mich erst einmal bedeckt zu halten.
Protokoll: Simone Utler
Der Hardcore-Fan - Eine ganz besondere Verbindung
Tanja Bier, Bürokauffrau in Frankfurt, ist am 15. April geboren. 62 Jahre zuvor sank am selben Tag die "Titanic". Bier glaubt, dass es zwischen ihr und dem Schiff eine übernatürliche Verbindung gibt.
Tanja Bier: "Ich bin einfach ein totaler Fan"
Ich war drei Jahre alt, als mich das Schiff in seinen Bann zog. Das hat mir mein Papa erzählt. Ich habe auf einen Zeitungsartikel gezeigt und "Titanic" gesagt. Irgendwann habe ich dann meinem Papa erklärt, wie viele Bruttoregistertonnen das Schiff hatte. Das klingt jetzt seltsam, aber so war es.
Seitdem denke ich fast immer an die "Titanic", ich kann gar nicht anders. Kindheit, Pubertät, Erwachsenwerden. Immer wenn es möglich war, habe ich im Internet oder in Bibliotheken recherchiert. Ich habe Bücher gelesen und Dokumentationen geschaut und natürlich auch den Hollywood-Film, sogar 17 Mal. Ich sammle fast alles, was mit der "Titanic" zu tun hat. Modelle habe ich auch eine Zeit lang gebaut.
Ich bin einfach ein totaler Fan, auch wenn ich schon fast 38 bin. Die Leute, die mich kennen, gehen eigentlich ganz gut mit dem Thema um, aber natürlich kommen auch immer wieder blöde Sprüche von solchen, die mich nicht richtig kennen. Aber das macht mir nichts aus.
Mein Vater sagt immer aus Scherz, dass ich wahrscheinlich damals mit auf dem Schiff war und untergegangen bin. Und dass ich deshalb diese besondere Verbindung habe. Vielleicht bin ich wiedergeboren worden, wer weiß.
Mich fasziniert an der "Titanic" vor allem die Zeit und der Größenwahn. Da kommen 1912 so viele Menschen aus unterschiedlichen Schichten zusammen, und alle sind so stolz und wiegen sich in Sicherheit. Und dann führt eine dramatische, total komplexe Verkettung von Ereignissen und Fehlern dazu, dass alles auf den Meeresboden sinkt.
Jeder Mensch auf diesem Schiff hatte eine Geschichte, und ich würde sie so gern alle kennen. Letzte Woche war ich in Frankfurt auf einer "Titanic"-Ausstellung. Da wusste ich sogar besser Bescheid als der Mann vom Museum.
Mein größter Wunsch wäre, einmal in diesem russischen U-Boot zum Wrack zu dürfen. Das wäre mein allergrößter Traum. Aber das ist zu teuer. Deshalb ist mein nächstes Ziel erstmal, "Titanic 3D" im Kino zu sehen.
Protokoll: Nora Gantenbrink