Polizist in Ferguson: Keine Spur von Darren Wilson
Todesschütze Wilson Das Phantom von Ferguson
Ferguson - Die Spannung in Missouri wächst. Noch an diesem Wochenende könnten die Geschworenen entscheiden, ob die Tötung des schwarzen Teenagers Michael Brown durch den weißen Polizisten Darren Wilson ein gerichtliches Nachspiel haben wird. Und vor allem: Wie fällt die öffentliche Reaktion aus?
Wilson hat seine Aussage zu dem Vorfall bereits gemacht, seine Sicht der Vorgänge vom 9. August 2014 dargestellt. Wie bisher durchgesickert ist, soll der Polizist auf Notwehr plädiert haben. Viel mehr ist nicht bekannt, die Anhörung verlief unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wilson selbst verweigert nicht nur jede Stellungnahme zu dem dramatischen Fall - er meidet auch sämtliche öffentlichen Auftritte. Seit dem 9. August ist der 28-Jährige praktisch unauffindbar.
Dafür dürfte Wilson gute Gründe haben. In der aufgeheizten Stimmung nach dem Vorfall - in Ferguson kam es zu schweren Ausschreitungen - soll unter anderem ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt worden sein. Wie gründlich er von der Bildfläche verschwunden ist, überrascht dann aber doch. Auch die Anwälte des Staatsbediensteten äußern sich weder zum Aufenthaltsort ihres Mandanten, noch zu dessen Sicht auf die Vorgänge vom 9. August 2014.
Eine Spurensuche ist beinahe unmöglich.
Wie die "Washington Post" berichtet , hat Wilson in den sozialen Netzwerken keinerlei Spuren hinterlassen. Keine Facebook-Seite, kein Twitter-Account, nichts. Die Familie des jungen Mannes äußert sich gegenüber den Medien ebenfalls nicht.
Vermutet wird, dass sich Wilson unter Polizeischutz befindet, aber selbst dazu gibt es keine offizielle Bestätigung. Sein Haus scheint in jedem Fall seit längerer Zeit nicht mehr bewohnt zu sein. Informationen über seinen aktuellen Aufenthaltsort halten die Behörden mit Verweis auf die persönliche Sicherheit unter Verschluss.
Bekannt ist nur, dass er bei vollen Bezügen vom Dienst freigestellt wurde. Bei zahlreichen kleineren Gerichtsverfahren, in denen seine Aussage benötigt wurde, fehlte Wilson. Thomas Jackson, Polizeichef von Ferguson, bezweifelte in dieser Woche öffentlich, dass Wilson jemals wieder seinen alten Posten zurückbekommt. Laut CNN gibt es schon Verhandlungen über eine Auflösung des Dienstverhältnisses.
Potenzielle Bombenbauer festgenommen
Vieles deutet derzeit auf einen Freispruch für Wilson hin. Davon geht offenbar auch der Schütze selbst aus, wie Jeff Roorda von der Polizeigewerkschaft St. Louis Police Officer's Association am Freitag erklärte: "Weder er noch sein Team von Verteidigern erwarten eine Anklage."
In den vergangenen Tagen waren die Unruhen vor dem Hintergrund der bevorstehenden Entscheidung der Grand-Jury wieder aufgeflammt. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, rief daher den Ausnahmezustand aus. Sollte Wilson nicht angeklagt werden und einem Gerichtsverfahren entgehen, dürfte es wieder zu Protesten kommen.
Am Donnerstagabend versammelten sich erneut etwa ein Dutzend Demonstranten vor der Polizeiwache von Ferguson. Nach einem Gerangel zwischen den Versammelten und einigen Polizisten wurden mindestens zwei Personen festgenommen.
Dem FBI gelang am Freitag zudem die Festnahme von zwei Männern, die offenbar versucht hatten, Sprengstoff zu erwerben. Damit, so der Vorwurf der Fahnder, wollte das Duo möglicherweise Bomben bauen und diese bei Protesten nach einer Entscheidung der Jury detonieren lassen.