Flaggen allerorten Fußballfans im globalen Fahnenwahn
Wer ist bloß auf die Idee eines Fahnenhalters für Autofenster gekommen? Hunderttausende Deutsche fahren voller Stolz, eine, zwei oder gar vier der kleinen Flaggen spazieren, die sich mit einem Plastikclip an der Scheibe einhaken lassen. Für wenige Euro werden die in Fernost produzierten Sets in Supermärkten und an Tankstellen verkauft. Fest steht: Die Autofahnen sind keine Erfindung anlässlich der Fußball-WM 2006, auch wenn das in Deutschland so erscheinen mag.
In England fuhren Pkws beispielsweise bereits vor und während der Europameisterschaft 2004 rot-weiß geflaggt herum. Das Hissen der Fahne anlässlich von Fußballturnieren hat auf der Insel eine lange Tradition Pubs, Wohnhäuser sind komplett ausstaffiert. Der Renner in diesem Jahr: Frauen, die sich ihre Fingernägel weiß lackieren und dann mit dem roten Kreuz krönen. Selbst der Apple-Kuchen trägt bei manchem Bäcker die Nationalfarben - siehe Fotostrecke.
In Südamerika, wo die Fußballbegeisterung kaum Grenzen kennt, flaggen die Menschen ebenfalls ihre Häuser. Der Fahnenrausch, der nun erstmals auch Deutschland erfasst hat, ist dort völlig normal. Hierzulande zeigt sich mancher noch leicht irritiert über die plötzlichen Orgien in Schwarz-Rot-Gold.
Bundespräsident Horst Köhler erteilte den Fahnenschwenkern jedoch heute die Absolution: Die Präsenz der Fahnen sei etwas Schönes, weil die Menschen sich durch das Zeigen der Fahnen mit der Nationalelf identifizierten. Es sei zudem Ausdruck ihrer Freude, dass die WM in Deutschland stattfinde, erklärte der Köhler im Deutschlandfunk. Für den Vorboten eines neuen Nationalismus halte er die Flaggenpräsenz nicht.
hda