Gerold Becker: Ex-Leiter der Odenwaldschule ist tot - DER SPIEGEL
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Gerold Becker Ex-Leiter der Odenwaldschule ist tot

Gerold Becker, der langjährige Leiter der Odenwaldschule, ist in der Nacht zu Donnerstag gestorben - kurz bevor ein Wahrheitsforum über den Missbrauch in den siebziger Jahren zusammentritt. Der Ex-Schuldirektor galt als Hauptbeschuldigter in dem Skandal.
Das "Goethe-Haus" der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim
Das "Goethe-Haus" der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim

Das "Goethe-Haus" der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim

Foto: Boris Roessler/ dpa
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Darmstadt - Erst vor wenigen Wochen hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt die Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen ehemalige Lehrer der Odenwaldschule eingestellt - auch gegen Gerold Becker, einer von Deutschlands führenden Reformpädagogen,. Die mutmaßlichen Taten seien verjährt, gab die Staatsanwaltschaft bekannt. Die verfolgten Pädophilie-Vorwürfe bezogen sich auf Vorfälle, die bis in die sechziger Jahre zurückreichten.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem an der Odenwaldschule ein Diskussionsforum über den Missbrauch in den siebziger Jahren stattfindet, gab die Schule bekannt, dass Becker in der Nacht auf Donnerstag gestorben sei.

Der Sprecher des Vorstands der Odenwaldschule, Johannes von Dohnanyi, bestätigte SPIEGEL ONLINE den Tod von Becker. "Er hatte eine Lungenkrankheit und ist in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gestorben. Wir haben heute morgen von seinem Tod erfahren", sagte Dohnanyi. Die Schulleitung verkündete Beckers Tod am Freitagvormittag im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Odenwaldschule.

Das Jubiläum stehe auch im Zeichen des Missbrauchsskandals, sagte Dohnanyi. "Als Odenwaldschule und im Namen der Betroffenen bedauern wir sehr, dass er gestorben ist, bevor er die Zeit gehabt hat, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung zu beziehen." Der Tod von Gerold Becker sei "auch eine sichtbare Zäsur", nach der Zäsur, die die Odenwaldschule bereits geschaffen habe, indem sie den Fall aufarbeite.

Die Odenwaldschule bedauere, dass Becker nicht mehr die Gelegenheit gehabt habe, sich zu erklären und drängende Fragen der vom Missbrauch Betroffenen zu beantworten. "Wir hätten ihn gerne noch einmal gesprochen", sagte Dohnanyi.

Becker war bereits 1999 öffentlich des sexuellen Missbrauchs bezichtigt worden. Doch erst vor wenigen Monaten gab er den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen zu. In einem Brief entschuldigte er sich für sein Verhalten und schrieb nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" an Vorstand und Leitung der Unesco-Modellschule: "Schüler, die ich in den Jahren, in denen ich Mitarbeiter und Leiter der Odenwaldschule war (1969 bis 1985), durch Annäherungsversuche oder Handlungen sexuell bedrängt oder verletzt habe, sollen wissen: Das bedauere ich zutiefst und bitte sie dafür um Entschuldigung."

Zum Zeitpunkt der Entschuldigung war Becker bereits schwerkrank. Er soll allein 17 Jungen im Internat missbraucht haben.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes war von einer "Wahrheitskommission" die Rede, die ihre Arbeit aufnehme. Tatsächlich handelt es sich um ein Diskussionsforum, eine einmalige Veranstaltung. Wir bitten, die Ungenauigkeit zu entschuldigen.

jjc/siu