Hitzometer Skala der Rekorde
Hamburg - Das heiße und schwüle Wetter hat in Kiel einen ungewohnten Run auf die Universitätsbibliothek ausgelöst. "Hier ist viel los, die Bibliothek ist gut besucht", sagte eine Sprecherin. Dank der Klimaanlage könnten die Studenten dort einen klaren Kopf bewahren. Das müssen sie auch. Schließlich stehen jetzt für viele Hochschüler Prüfungen an.
Bahnbrechend ist auch das Urteil, das eine Straßburger Richterin in einem Schnellverfahren nach einem Blick aufs Thermometer fällte: In Abstimmung mit den Anwälten und dem Justizpersonal lockerte sie die Kleiderordnung für die Gerichtssäle, in denen es keine Klimaanlage gibt. Jeder, der will, darf dort von sofort an seine schwarze Robe ablegen. Tatsächlich folgten fast alle dem Richterspruch - nur der Staatsanwalt blieb standhaft. Er krempelte sich gerade mal die Ärmel hoch.
Ungewohnten Besuch bekam ein Betrieb am Stadtrand von Dresden. Dort suchte ein Rehbock Abkühlung in einem Wasserbecken. Weil das Tier aus eigener Kraft nicht mehr herauskam, rückten Feuerwehr und Tierrettung an. Sie pumpten das Becken aus und holten den unverletzten Bock heraus.
Dass auch Weintrauben Sonnenbrand bekommen können, weiß der Präsident des Weinbauverbandes Ahr, Ernst Bender. "Die Beeren kriegen dann eine Lederhaut. Sie werden bräunlich, schrumpfen und fallen irgendwann ab."
Mit 38,9 Grad Celsius stellte laut den Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes Bernburg in Sachsen-Anhalt gestern einen deutschen Temperaturrekord für das laufende Jahr auf. An zweiter Stelle lag das thüringische Jena mit 37,6 Grad.
Heute Nachmittag gab es kurze Gewitter im Westen Deutschlands. Diese brachten jedoch kaum Abkühlung. Und: Ein Ende der Hitzewelle ist auch weiter nicht in Sicht: "Der Hochsommer bleibt auf jeden Fall, auch wenn es mit den Rekordtemperaturen wohl erstmal vorbei ist", sagte der Meteorologe Peter Hinteregger vom Wetterdienst Meteomedia. Mit steigender Luftfeuchtigkeit werde es zudem unangenehm schwül.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sollen sich die Schauer morgen Abend in den Osten Deutschlands verlagern, bevor das Wetter am Wochenende mal Sonne, mal Wolken bringt. Bei 30 bis 35 Grad oder sogar darüber müssen die Deutschen am Wochenende weiter schwitzen. "Auch in den Nächten kühlt es kaum noch ab", sagte Wetterdienst-Meteorologe Thomas Schmidt. In manchen Metropolen werde das Thermometer nachts nicht unter die 22-Grad-Marke fallen. Und wer sich Abkühlung in einem Badesee erhofft, wird womöglich enttäuscht: Zum Teil liegt die Wassertemperatur in den Binnenseen schon jetzt über 25 Grad.
aki/kp/dpa/ddp/AFP