Las Vegas: Hochzeitsflaute im Zockerparadies
Hochzeitsflaute Liebes-Rezession in Las Vegas
Las Vegas - Die Hochzeitsglocken in Las Vegas läuten immer seltener. Rund 90.000 Paare gaben sich im vergangenen Jahr in der Hauptstadt des Glücksspiels und in Nevada das Jawort. Weniger waren es zuletzt 1993. Die Zurückhaltung bedeutet gewaltige Einnahmeverluste für die Tourismusindustrie, die zahlreichen Kapellen und damit auch für die Staatskasse.
"Die Zahlen sprechen für sich", sagt der langjährige Hochzeitsplaner und Gründer der Hochzeitsvereinigung von Las Vegas, Joni Moss. Am schwersten treffe es die kleinen Kapellen, die häufig als Familienbetriebe geführt würden.
In Nevada werden 85 Prozent aller Ehen im Bezirk Clark geschlossen, zu dem auch Las Vegas gehört. Fast fünf Prozent aller Ehen in den gesamten USA nehmen ihren Anfang unweit der Kasinos und Hotels auf dem berühmten Strip, einer fast sieben Kilometer langen Straße. Am größten war das Interesse im Jahr 2004, als 128.250 Paare sich das Jawort gaben. Doch seitdem sagten in jedem Jahr weniger Männer und Frauen "Ich will".
Einnahmeverluste in Millionenhöhe
Die Hochzeitsprofis in Nevada sind sich einig, dass Las Vegas nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Sie machen vielmehr die Rezession und die insgesamt nachlassende Begeisterung für die Ehe verantwortlich.
Auch den Gemeinden, die die amtliche Heiratserlaubnis ausstellen, gehen Einnahmen verloren. Der Bezirk Clark nahm 2004 noch mehr als sieben Millionen Dollar mit den Eheschließungen ein. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 5,5 Millionen. Zusammen mit den zurückgehenden Grundsteuern ergibt sich ein schmerzhafter Fehlbetrag, wie die Verwaltungsbeamtin Diana Alba erklärt.
Um den Rückgang aufzufangen, würden deshalb schon seit 2006 die notwendigen Papiere für eine Eheschließung nicht mehr rund um die Uhr ausgestellt. "Die Ehe ist mal in und mal out", sagt Alba. "Und ich glaube, im Moment ist es nicht mehr so in Mode zu heiraten."
In guten Jahren spülten die Hochzeiten in Las Vegas mehr als 640 Millionen Dollar in die örtliche Wirtschaft, wie eine Sprecherin der Tourismusbehörde, Alicia Malone, erklärt. Noch immer kommen pro Jahr eine Million Menschen in die Stadt, um an einer Hochzeit teilzunehmen.
Spezielle Angebote für Ehepaare und Homosexuelle
Die Kapellen lassen sich etwas einfallen, um neue Kunden zu gewinnen. So ermutigen sie lange verheiratete Paare, ihr Ehegelübde zu erneuern und bieten auch Zeremonien für homosexuelle Paare an. Eine offizielle Hochzeit ist Schwulen und Lesben in Nevada per Gesetz verwehrt. Der Viva Las Vegas Wedding Chapel gelang es so immerhin, ihren Umsatz 2010 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu steigern.
Die Kapelle bietet die Hochzeiten, für die Las Vegas berühmt ist: Paare können sich von Promi-Doppelgängern trauen lassen, von "Alice Cooper", "Tom Jones" und "Marilyn Monroe". Das beliebteste Arrangement umfasst einen pinkfarbenen Cadillac von 1964, der von einem Elvis-Imitator gesteuert wird.
Den Trend zum Zusammenleben ohne Trauschein können die Kapellen aber auch mit noch so kreativen Ideen nicht abwenden. So waren 1960 in den USA noch zwei Drittel aller Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 30 verheiratet. 2008 waren es offiziellen Statistiken zufolge noch 26 Prozent.
Nevada lockt schon seit 1927 heiratswillige Paare aus Kalifornien mit kurzen Wartezeiten und wenigen Formalitäten. Als Las Vegas Jahrzehnte später zu einer Spielerstadt und einem Tourismusmagneten wurde, war es besonders unter Prominenten Trend, sich dort trauen zu lassen. Frank Sinatra gab Mia Farrow 1966 auf dem Las Vegas Strip das Jawort. Elvis und Priscilla Presley heirateten 1967 im Vegas-Style.
Die beliebtesten Tage für eine Trauung in Las Vegas sind Silvester und 1. Januar. Gleich danach folgen die Daten, die eine Schnappszahl enthalten. In diesem Jahr könnte der 11.11.2011 Tausende in die Kapellen locken - das hoffen sie zumindest in Las Vegas.