Im Wortlaut: Der offene Brief des Oberbürgermeisters - DER SPIEGEL
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Pressekonferenz zur Love Parade: Viele Fragen, kaum Antworten

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Im Wortlaut Der offene Brief des Oberbürgermeisters

Der stark in die Kritik geratene Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland (CDU), hat am Montagnachmittag eine persönliche Erklärung zur Love-Parade-Katastrophe abgegeben. SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Brief.
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Duisburg - Der wegen der Katastrophe mit 19 Toten auf der Love Parade in die Kritik geratene Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland (CDU), bleibt zunächst im Amt. Er könne die nach der "unfassbaren Tragödie" laut gewordenen Forderungen nach seinem Rücktritt "nachvollziehen", teilte er am Montag in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Allerdings müsse man sich zunächst Zeit lassen, die "schrecklichen Geschehnisse aufzuarbeiten". SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Brief im Wortlaut:

"Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen. Doch heute und in den nächsten Tagen muss es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.

Ich habe der Verwaltung bereits gestern Nachmittag eine Reihe von Fragen vorgelegt, die schnellstmöglich zu beantworten sein werden. Wir werden unsere Erkenntnisse unverzüglich der Staatsanwaltschaft mitteilen und diese darüber hinaus uneingeschränkt in ihrer Arbeit unterstützen. Auch unsere eigene Rolle gilt es dabei zu beleuchten: Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen.

Ich kann das Geschehene nicht ungeschehen machen. Dies ist eine unfassbare Tragödie und wir sind nicht in der Situation, behaupten zu können, das Leid der Opfer und der Angehörigen auch nur ansatzweise nachvollziehen zu können. Ich kann erahnen, wie nah hier Wut und Trauer beieinander liegen.

Es gibt bohrende und drängende Fragen, auf die nun Antworten gefunden werden müssen. In einer eigens einberufenen Verwaltungsvorstandskonferenz habe ich daher alles Erforderliche veranlasst, um die Arbeit der ermittelnden Behörden uneingeschränkt zu unterstützen.

Doch die notwendige Aufarbeitung des Unglücks spiegelt natürlich nur eine Seite wider. Die Frage, ob wir uns etwas vorzuwerfen haben, beschäftigt mich ganz persönlich, lässt mich nicht ruhen. Die in diesem Zusammenhang genannte Forderung nach einem Rücktritt als Oberbürgermeister Duisburgs kann ich nachvollziehen. Und dennoch müssen wir uns die Zeit nehmen dürfen, zunächst die schrecklichen Geschehnisse aufzuarbeiten.

Ich will mich ausdrücklich auch an die Angehörigen der Verstorbenen wenden und auch an diejenigen, die Kinder, Verwandte und Freunde verloren haben oder die verletzt wurden:

Es tut mir unendlich leid. Ihr Schmerz ist nicht teilbar. Ich weiß, dass Sie von mir Antworten erwarten. Ich kann Ihnen diese heute nicht geben. Aber ich werde Ihnen diese geben, sobald sie vorliegen. Die Stadt trauert mit Ihnen, auch ich ganz persönlich. Ich bin in Gedanken bei Ihnen."

ore/ddp