Ina Pause-Noack malt Bilder mit der Asche Verstorbener - DER SPIEGEL
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Hessische Malerin: Asche zu Asche zu Gedenkbild

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Malerei mit Asche Verstorbener Nach dem Tod ein Kunstwerk

Eine hessische Künstlerin bietet an, mit der Asche Verstorbener ein Gedenkbild für die Hinterbliebenen zu malen. Die Reaktionen darauf könnten unterschiedlicher nicht sein. Juristisch bewegt sich die Malerin in einer Grauzone.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Ist es ein Tabubruch oder einfach nur eine Form von Trauerarbeit? Eine Künstlerin aus dem hessischen Hanau hat ein Bild aus der Asche einer Toten gemalt. Ina Pause-Noack will solche Kunstwerke als "neue Form der Bestattungskultur" etablieren.

Der Vorstoß wird kontrovers diskutiert. Zwei Bestatterverbände kommen zu völlig unterschiedlichen Bewertungen, rechtlich ist die Sache kompliziert, die Reaktionen von Privatleuten könnten unterschiedlicher nicht sein. Die einen finden die Vorstellung schön, "dass aus mir mal ein Kunstwerk wird", die anderen "einfach geschmacklos". Pause-Noack versteht ihr Angebot als "spirituelles Porträt über das Leben eines Menschen".

Dass es Menschen gibt, die ihre Idee ablehnen, kann die Künstlerin verstehen. Schon seit Jahren arbeitet Pause-Noack mit Asche. Sie malt mit Kohleasche oder Holzasche, auch mit Tierasche hat sie experimentiert. "Wie in der Natur ist Asche auch künstlerisch ein fruchtbares Material", sagt sie.

Über Umwege erfuhr im vergangenen Jahr ein Witwer aus der Schweiz von ihren Arbeiten. Der Mann, der anonym bleiben will, bat Pause-Noack aus einem Teil der Asche seiner verstorbenen Frau ein Bild zu malen. Sie habe lange mit ihm telefoniert, ihn später zu Hause besucht, um sich von der Persönlichkeit und dem Leben der Verstorbenen ein Bild zu machen. SPIEGEL ONLINE hatte im März über ein ähnliches Angebot in den USA berichtet. Dort fertigt der Künstler Sergio Portillo auf Bestellung Porträts oder Landschaftsbilder an, bei denen er Asche Verstorbener in die Farben mischt.

Es besteht eigentlich Bestattungszwang

Juristisch bewegt sich die Künstlerin mit ihrem Angebot in einer Grauzone. In Deutschland ist es streng genommen nicht zulässig, Kremationsasche zu Hause zu lagern - es besteht Bestattungszwang. "Die Aschenreste jeder Leiche sind in ein amtlich zu verschließendes Behältnis aufzunehmen und in einer Urnenhalle, einem Urnenhain, einer Urnenwand, einer Urnengrabstelle oder in einem Grab beizusetzen", heißt es etwa in Paragraf 20 des hessischen Bestattungsgesetzes. Allerdings sind "in besonderen Fällen" Ausnahmen möglich.

Manche Bestatter sind - ebenso wie manche Krematorien - bereit, auf Wunsch der Hinterbliebenen einen Teil der Asche zu entnehmen; andere lehnen das ab. Der Bundesverband Deutscher Bestatter ist dagegen, der Verband unabhängiger Bestatter stellte in seiner Verbandszeitschrift Pause-Noacks Konzept ausführlich vor.

Damit juristische Klippen umschifft werden können, hat die Künstlerin einen Kooperationspartner in der Schweiz gefunden: Um dem deutschen Bestattungszwang zu umgehen, kann man sich über einen Naturfriedhof-Betreiber die Urne über die Schweiz nach Hause liefern lassen. "Oase der Ewigkeit"-Geschäftsführer Dietmar Kapelle findet die Idee gut: "Viele Menschen haben das Bedürfnis, den Verstorbenen auch materiell in der Nähe zu haben."

Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, sieht "die Materialisierung von Verstorbenen" kritisch: "In der ersten Phase der Trauer kann das eine große Hilfe sein, aber später kann die große Nähe trauer-psychologisch ein Problem werden."

wit/dpa

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