Indien: Hinterbliebene der vergewaltigten Studentin ein Jahr später - DER SPIEGEL
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Ein Jahr nach Vergewaltigung in Indien: "Es ist ein bedrückender Tag für uns"

Foto: AP/dpa

Hinterbliebene von vergewaltigter Inderin "Wir haben alles und doch nichts"

Vor einem Jahr wurde in Neu-Delhi eine 23-Jährige von mehreren Männern vergewaltigt, kurze Zeit später starb sie an den Verletzungen. Die BBC hat nun ihre Familie in Indien besucht. Sie wird von der Regierung unterstützt, doch ihr Vater sagt: "Ohne unsere Tochter ist unsere Welt farblos."
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Neu-Delhi - Am Abend des 16. Dezember 2012 bekam Badri S. aus Neu-Delhi den Anruf, der das Leben seiner Familie für immer verändern sollte. Ein Polizist war am Telefon, er sagte dem Vater, seine Tochter sei in einen Unfall verwickelt gewesen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Im Krankenhaus erzählten sie dem Vater die Wahrheit: Seine 23-jährige Tochter war von einer Männergruppe in einem Bus vergewaltigt und gefoltert worden. 13 Tage später starb seine Tochter.

Ein Jahr ist das nun her. Der Fall löste weltweit Proteste aus. In Indien gingen Zehntausende Menschen auf die Straße und protestierten gegen die Unterdrückung der Frauen. Den Tätern wurde der Prozess gemacht, vier Männer wurden zur Todesstrafe verurteilt.

Heute lebt die Familie der Verstorbenen in einem aufstrebenden Vorort von Neu-Delhi in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Nach dem Tod der Tochter sind sie aus der baufälligen Wohnung in einem heruntergekommenen Stadtteil weggezogen. Die neue Wohnung ist ein Geschenk der Regierung. Die BBC hat die Familie dort besucht  und mit dem Vater, der Mutter und den beiden Brüdern der Studentin gesprochen. Vieles hat sich verbessert, hat Badri S. dem Sender erzählt. Er hat einen neuen Job am Flughafen, wo er besser verdient. Seine Söhne gehen auf ein gutes College, die Studiengebühren werden von der Regierung gezahlt. Sein jüngster Sohn, 17 Jahre alt, studiert Medizin. "Doch manchmal denke ich, dass die Armut besser für uns war", sagt S. Sie seien glücklicher gewesen. "Heute haben wir alles und doch nichts. Ohne unsere Tochter ist unsere Welt farblos."

Am Platz Jantar Mantar kommen sie dieser Tage zusammen und erinnern an seine Tochter. Sie zünden Kerzen an und beten. Es gibt Konzerte an symbolträchtigen Orten. Einige gehen die Route ab, die der Bus fuhr, während die 23-Jährige auf einer Rückbank misshandelt wurde. Die Familie S. wird ein Gebet sprechen. "Es ist ein bedrückender Tag für uns", hat einer der Brüder der Nachrichtenagentur dpa gesagt. "Wer nicht zum Treffen kommen kann, soll für meine Schwester beten, wo auch immer er gerade ist, so dass Gott ihr Frieden schenkt."

"Es gibt eine gewisse Angst vor dem Gesetz"

"Wir wollen die Erinnerung an sie so lange wie möglich am Leben erhalten", hat der Vater der BBC gesagt. Die Familie S. will sogar einen Fonds für bedürftige Kinder einrichten.

Die Demonstranten beklagen nun, dass die Politik zwar die Gesetze für Sexualtäter verschärft habe, sonst aber viel zu untätig sei. "Es gibt kein wirkliches Interesse daran, die Straßen sicherer zu machen", sagte eine junge Frau. Nach wie vor ist es für Frauen abends gefährlich, berichteten junge Inderinnen SPIEGEL ONLINE.

Die Familie S. sieht das ein bisschen anders. "Frauen sprechen jetzt in der Öffentlichkeit gegen Belästigung und Gewalt. Es gibt eine gewisse Angst vor dem Gesetz", sagte der Vater der BBC. "Und das ist der Beitrag meiner Tochter, oder nicht?"

gam/dpa