Heftige Erdstöße: In Italien bebt die Erde
Italien Mindestens 16 Menschen sterben bei Erdbeben
Rom - Bei mehreren Erdbeben im Nordosten Italiens sind mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 350 wurden verletzt, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Regionalbehörde berichtete. Erdstöße der Stärke 5,8 hatten am Dienstagmorgen gegen 9 Uhr die Gegend um Modena in der Region Emilia-Romagna erschüttert. Am Nachmittag bebte die Erde dann erneut - laut der US-Erdbebenwarte mit einer Stärke von 5,6.
"Die Lage ist sehr ernst, wir haben zahlreiche Verletzte", sagte der Bürgermeister des Ortes Concordia, Carlo Marchini, dem Nachrichtensender Sky TG24. "Alles ist eingestürzt, es herrscht Chaos, in der gesamten Stadt sind Gebäude zusammengefallen", berichtete ein Feuerwehrmann dem "Corriere della Sera".
Die Feuerwehr sucht indes weiter nach Überlebenden. Am späten Abend meldete der Sender Sky TG24, dass eine Frau lebend aus den Trümmern geborgen worden sei. Die Frau sei in ihrer schon von einem früheren Erdstoß beschädigten Wohnung gewesen, um Kleidung zu holen, sagten Feuerwehrmänner dem Fernsehsender. Dann sei das Haus komplett eingestürzt. Die Rettungskräfte zogen die Frau aus den Trümmern ihrer Küche. Nun werde nur noch eine Person vermisst.
Das Epizentrum lag in derselben Gegend von Modena, die bereits vor gut einer Woche von einemstarken Beben heimgesucht worden war. Durch die Erdstöße am Dienstag wurden die Häuser und Wohnungen von 8000 Menschen komplett oder teilweise zerstört, die Zahl der Obdachlosen in der Region stieg nach Angaben der Zivilschutzbehörde auf 14.000.
Die Erdstöße seien bis nach Venedig und Mailand zu spüren gewesen, meldete Ansa. Auch in Parma, Bologna und Florenz schreckte das Beben die Menschen auf. Der Bahnverkehr auf mehreren Strecken im Norden des Landes wurde zeitweise unterbrochen. In Bologna, Modena und anderen Städten funktionierten zeitweise die mobilen Telefonnetze nicht.
In weiten Teilen Norditaliens liefen die Menschen aus ihren Häusern ins Freie. Schulen, Universitäten, Verwaltungsgebäude und historische Paläste wurde zur Sicherheit geräumt. Die Fabriken von Ferrari, Lamborghini und Ducati unterbrachen die Produktion.
Die Regierung in Rom versprach Hilfe: "Die Region Emilia-Romagna und ganz Italien werden diese schweren Momente überwinden", sagte Staatspräsident Giorgio Napoletano. Ministerpräsident Mario Monti versicherte: "Der Staat wird alles daran setzen, die Schäden sobald wie möglich zu beheben." Der kommende Montag soll in ganz Italien zum Trauertag für die Erdbebenopfer erklärt werden.
Entwarnung gibt es vorerst nicht: "Wir können die Menschen nicht beruhigen. Es gab ja schon vor etwa neun Tagen ein relativ starkes Beben und normalerweise ist es dann so, dass die Aktivität zurückgeht", sagte der Geophysiker Rainer Kind vom Deutschen Geoforschungszentrum. In einigen Fällen komme es zu sehr starken Nachbeben. "Und das kann ohne weiteres so weitergehen."
In Italien bebt seit Tagen immer wieder die Erde. Italienischen Medien zufolge wurden seit dem schweren Beben vom 20. Mai 417 Nachbeben gezählt, davon drei mit einer Stärke von mehr als 5,0.