Schießen, werfen, angeln: Jahrmarktsbuden und ihre Besitzer
Schausteller und ihre Stände Im Reich der Rummelbuden
An einer Angelrute ist ein kleiner Ring befestigt, der gerade so über den Hals einer Flasche passt. Mit viel Fingerspitzengefühl muss man die Schnur so bewegen, dass das Gefäß zum Stehen kommt. Wer das schafft, gewinnt am Jahrmarktstand "Bottle Up" riesige Plüsch-Frösche mit traurigen Augen, Huskys mit ausgestreckter Zunge oder eine grinsende Kuscheltiersonne.
William Bullard hat dieses Büdchen und viele weitere für seine Fotoserie "Carny" gemeinsam mit deren Besitzern abgelichtet. Alle Porträts stammen von zwei Veranstaltungen, die jedes Jahr in der Nähe des Zuhauses des Fotografen im Bundesstaat New York stattfinden: der Dutchess County Fair in Rhinebeck und der Columbia County Fair in Chatham.
Doch die Stände könnten bei jeder Messe oder jedem Rummelplatz in den USA stehen. Sie sind Bullard zufolge ein typischer Teil Amerikas. Besonders im Sommer finde man sie in fast jeder Kleinstadt, für viele Gemeinden zählten sie zu den Höhepunkten des Jahres.
Seit Jahrzehnten seien ihr Aussehen und ihre Spielchen unverändert. "Ich erinnere mich an 'Shoot out the Star'-Stände aus meiner Kindheit - die Technik ist immer noch dieselbe", sagt Bullard. "Das Vergnügen ist heute immer noch rein analog und körperlich. Es geht um Geschicklichkeit."
Schießen, werfen, angeln: Jahrmarktsbuden und ihre Besitzer
An manchen der Stände muss man Sterne abschießen, an anderen einen Basketball ins Netz werfen oder Luftballons zum Platzen bringen. Den Gewinner erwarten riesige quietschbunte Stofftiere.
Im Laufe der Jahre traf Bullard Hunderte von Schaustellern, die aus allen Teilen der Vereinigten Staaten kommen. Viele von ihnen haben bereits im ganzen Land gearbeitet. Die Männer und Frauen ziehen mit ihren Wohnwagen von Event zu Event. "Die Saison beginnt im frühen Frühjahr in Florida und endet normalerweise im Herbst in Upstate New York und New England", sagt Bullard. Bei jeder Messe und jedem Jahrmarkt bauen sie ihre kleinen Kabinen wieder neu auf.
Den Fotografen begeistert, wie stolz die Schausteller auf ihre Stände sind, mit welch außergewöhnlicher Sorgfalt sie diese gestalten. Sie ordnen die Preise an, hängen Schilder auf, bemalen und beleuchten. Jedes Büdchen ist kunterbunt, fast verschwinden die Besitzer darin.
Die Messen und Jahrmärkte brächten Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergründe zusammen, sagt Bullard. "Jeder kann hier gewinnen. In einer politisch so angespannten Zeit in unserer Geschichte scheinen die Veranstaltungen eine Pause von den Spaltungen zu bieten."
Mit seinem Projekt will Bullard weitermachen - und noch viele weitere Veranstaltungen im Bundesstaat New York besuchen.