Japan: 120 Hitzetote in Tokio allein im Juli - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Japan 120 Hitzetote in Tokio allein im Juli

Es war der heißeste Juli seit Aufzeichnungsbeginn: In Japan brennt die Sonne seit Wochen erbarmungslos auf Stadt und Land. Allein in der Hauptstadt sind Dutzende gestorben. Auch, weil viele Japaner Klimaanlagen misstrauen.
Ein Mann kühlt sich in der Innenstadt von Tokio unter einem Wassernebel ab
Ein Mann kühlt sich in der Innenstadt von Tokio unter einem Wassernebel ab

Ein Mann kühlt sich in der Innenstadt von Tokio unter einem Wassernebel ab

Foto: Rodrigo Reyes Marin / dpa

An diesen Zahlen werden die Folgen der Erderwärmung konkret: Mehr als 120 Menschen sind im vergangenen Monat im Großraum der japanischen Hauptstadt Tokio an den Folgen andauernder Hitze gestorben. Wie die Behörden am Dienstag bekannt gaben, sind die Durchschnittstemperaturen im Juli landesweit auf Rekordwerte gestiegen, die meiste Zeit galten Hitzewarnungen.

Nach Angaben der Tokioter Gerichtsmedizin waren viele der insgesamt 123 Verstorbenen ältere Menschen. Mit zwei Ausnahmen wurden alle Toten in Innenräumen gefunden, in den meisten Fällen waren dort die Klimaanlagen abgeschaltet. Die japanischen Gesundheitsbehörden hatten zuletzt explizit vor dem Abschalten der Klimaanlagen gewarnt. Viele Japaner sind der Meinung, dass die Geräte ihrer Gesundheit schaden und benutzen sie deshalb nicht.

Im Monat Juli sind in den 23 Stadtbezirken Tokios nur im Jahr 2018 mehr Menschen gestorben. Damals kamen 127 Menschen ums Leben, hieß es aus der Gerichtsmedizin weiter.

Heißester Juli seit Aufzeichnungsbeginn in Japan

Die Durchschnittstemperatur in diesem Juli lag 2,16 Grad Celsius über dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre. Damit war es der heißeste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen der japanischen Wetteragentur im Jahr 1898. Zwischen dem 1. und dem 28. Juli dieses Jahres wurden laut der Behörde für Brand- und Katastrophenschutz mehr als 37.000 Menschen landesweit in Krankenhäusern wegen eines Hitzschlags behandelt.

Auch am Dienstag, dem Tag der Bekanntgabe der Zahlen, wurde in weiten Teilen Tokios und Westjapans vor der Gefahr durch Hitzschlag gewarnt. In der Innenstadt von Tokio stieg die Temperatur auf etwa 34 Grad Celsius. »Ich habe das Gefühl, dass die Hitzeperiode jedes Jahr länger wird«, sagte ein Passant aus Kyoto. »Ich habe die Klimaanlage die ganze Zeit an, auch wenn ich schlafe. Ich versuche, nicht nach draußen zu gehen.« Ein französischer Tourist zeigte einen tragbaren Ventilator, den er in Tokio gekauft hatte. »Er funktioniert sehr, sehr gut«, sagte er. »Bei diesen Temperaturen ist er eine Notwendigkeit.«

Laut Wetteragentur ist für August weiter Hitze vorausgesagt mit Temperaturen von 35 Grad Celsius und mehr. »Bitte achten Sie auf die Temperaturvorhersagen und Hitzewarnungen und treffen Sie angemessene Vorsichtsmaßnahmen, um einen Hitzschlag zu vermeiden«, hieß es in einer Erklärung. Die japanischen Gesundheitsbehörden und Meteorologen rieten den Menschen wiederholt, in den Häusern zu bleiben, reichlich Flüssigkeit zu trinken, um eine Dehydrierung zu vermeiden, und die Klimaanlage einzuschalten.

Forschende weltweit führen die Häufigkeit und Intensität von Hitzeperioden auf den Klimawandel zurück.

mkh/AP