Japan: Tattoos - Körperkunst mit Stigma - DER SPIEGEL
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Tattoos in Japan: Körperkunst mit Stigma

Foto: BEHROUZ MEHRI/ AFP

Tätowierungen in Japan Das Tabu unter der Haut

Tätowierungen sind in Japan seit 1948 nicht mehr verboten. Verpönt sind sie immer noch - und das ändert sich erst langsam.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als sich Mana Izumi ihr erstes Tattoo stechen ließ, war sie 18 Jahre alt. Die junge Frau wollte damit nicht rebellieren oder ein Tabu brechen, sie wollte einfach nur den Look der Popdiva Namie Amuro kopieren.

"Ich war nicht wirklich ein Amuro-Fan, aber ich fand ihre Tätowierungen süß", sagt Izumi. Inzwischen ist die frühere Pornodarstellerin 29 Jahre alt - und hat zahlreiche Tattoos. "Ich mag es, ein bisschen anders zu sein."

Tätowierungen haben in Japan eine lange Tradition, werden aber häufig mit der Mafiaorganisation Yakuza assoziiert und können ein Stigma sein. Menschen mit Tattoos wird oft der Zutritt zu öffentlichen Schwimmbädern, Stränden und Fitnessstudios verweigert. Sichtbare Körperkunst kann die Chance auf einen Arbeitsplatz beeinträchtigen.

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Tattoos in Japan: Körperkunst mit Stigma

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"Als meine Mutter zum ersten Mal mein Tattoo sah, brach sie in Tränen aus", sagt Izumi. "Ich dachte, mein Vater würde mich umbringen." Es sei erbärmlich, wie Tätowierte diskriminiert würden, sagt die 29-Jährige - während sie sich für 500 Dollar einen Aztekenschädel auf ein Bein tätowieren lässt. "Die Leute denken vielleicht, dass ich ein bisschen gruselig aussehe, aber ich bereue die Tattoos nicht."

Im 17. Jahrhundert wurden Kriminelle zur Strafe gebrandmarkt, heutzutage zeigen Yakuza-Gangster mit traditionellen Ganzkörper-Irezumi-Tattoos ihre Loyalität. Bis 1948 waren Tätowierungen in Japan nicht erlaubt, erst amerikanische Besatzer hoben das Verbot auf.

Doch das Stigma ist geblieben. Viele Japaner würden bei Tattoos an die Yakuza denken, anstatt die Schönheit der Kunstform zu bewundern, sagt der Buchautor Brian Ashcraft ("Japanische Tattoos: Geschichte, Kultur, Design"). "Bis sich das ändert, wird das Tätowieren in einer Grauzone fortbestehen."

Kürzlich wurde ein möglicherweise bahnbrechender Rechtsstreit entschieden. 2015 war Taiki Masuda, ein Tätowierer aus Osaka, festgenommen worden. Der 30-Jährige wurde wegen Verstoßes gegen das Ärztegesetz zu einer Geldstrafe verurteilt. Darin heißt es: Nur Ärzte dürfen medizinische Tätigkeiten ausüben.

"Hauch von Gesetzlosigkeit"

Eine Bekanntmachung des Gesundheitsministeriums von 2001 definierte Tätowieren als medizinische Tätigkeit - und kriminalisierte so Masudas Arbeit. Er beschloss, gegen das Gesetz zu kämpfen. Mit Erfolg: Ein Berufungsgericht hob im November den Schuldspruch gegen ihn auf.

"In Japan gibt es keinen gesetzlichen Rahmen für die Tätowierungsbranche", sagt Masuda. Er hoffe nun darauf, dazu beitragen zu können, das Tätowieren zu legalisieren.

Masudas Einsatz spaltet die geschätzt 3000 Tätowierer des Landes. Viele ältere Künstler wollen den Untergrundcharakter der Tattoos bewahren. Ihnen missfällt die Vorstellung, Tätowierer könnte ein legitimer Beruf werden. "Tätowierungen sollten einen Hauch von Gesetzlosigkeit haben", sagt Horiyoshi III, der Masudas Vorgehen als provozierend und wenig hilfreich einstuft.

Buchautor Ashcraft zufolge beruht ein Großteil der Vorbehalte gegen Tattoos in der uralten konfuzianischen Vorstellung, dass die Verunstaltung des von den Eltern geerbten Körpers respektlos ist.

Mana Izumi kann mit solchen Argumenten nichts anfangen. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich irgendjemandem erklären muss."

wit/AFP