Umstrittener Limburger Bischof Kardinal Meisner distanziert sich von Tebartz-van Elst
Köln/Limburg - Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat dem umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seine Unterstützung entzogen. Für Meisner sei eine "neue Lage" eingetreten, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf das Umfeld des Kardinals.
Grund für Meisners Sinneswandel ist demnach der von der Staatsanwaltschaft Hamburg beantragte Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst und die exorbitant gestiegenen Baukosten für das Diözesane Zentrum in Limburg. Meisner sieht dem "FAS"-Bericht zufolge nicht nur das Bischofsamt, sondern die gesamte Kirche durch den Fall beschädigt.
Tebartz-van Elst will an diesem Samstag nach Rom fliegen. Das berichtet ebenfalls die "FAS". Offenbar möchte er dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz Robert Zollitsch zuvorkommen, der kommende Woche mit Papst Franziskus über die Situation im Bistum Limburg sprechen will.
Franz-Peter Tebartz-van Elst: Bischof unter Druck
Nach Informationen der Zeitung hat Meisner in den vergangenen Tagen direkt mit Tebartz-van Elst über dessen Lage gesprochen; über Inhalt und Verlauf der Gespräche wurde nichts bekannt. Aus der Erzdiözese Köln hieß es aber, Meisner nehme seine Verantwortung als Metropolit wahr.
Der Kölner Erzbischof ist Metropolit der Rheinprovinz, zu der das Bistum Limburg gehört. Ihm kommt daher eine Aufsichts- und Kontrollfunktion zu, jedoch verfügt er nicht über disziplinarische Durchgriffsrechte.
Kardinal Meisner hatte den Limburger Bischof noch Mitte September öffentlich verteidigt. In einem Radiointerview beklagte er seinerzeit, die Medien hätten sich "gegen ihn (den Bischof von Limburg) verschworen". Meisner zieh den Münchner Kardinal Marx der "Ahnungslosigkeit", nachdem dieser sich kritisch zu den Limburger Verhältnissen geäußert hatte.
Inzwischen verfüge Meisner über ein "differenzierteres Bild der Situation in Limburg", heißt es nun in seiner Umgebung. Meisner stehe auch hinter den Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, der sich am Donnerstag deutlich von Tebartz-van Elst distanziert hatte.
Meisners Richtungswechsel kommt, kurz nachdem an seiner Person selbst Kritik geübt worden war. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grünen), Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, hatte gesagt, offensichtlich habe nicht nur im Bistum, sondern auch in der Kirchenprovinz die Kontrolle versagt.