Katholische Kirche »Ein Priester ist nicht schwul«
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Frank Kribber, katholischer Priester:
»Es ist schon...wie in einem Gefängnis.
Eigentlich dürfte das, was ist, nicht sein. Eigentlich dürfte es so, wie du bist nicht sein, das ist nicht normal.
Als Priester Homosexuell zu sein, ist schon eine schwierige Situation. Das Thema wird tabuisiert.
Ich arbeite in einem Gefängnis mit Inhaftierten.
Schuld ist für viele im Gefängnis das große Problem, weil sie für etwas, was sie verbockt haben, einsitzen und die Frage: Wie sollen sie nun damit umgehen?
Manche in der Kirche würden mit Sicherheit sagen, man ist deswegen Schuldig oder ein Sünder. Ein Priester ist nicht schwul, ein Priester hat anders zu sein.
Ich wollte Priester werden, weil mir mein Glaube wichtig ist. Weil ich diesen Glauben auch gerne mit anderen Menschen gemeinsam feiere. 01:48: Weil ich Kirche viel verdanke.
Als Priester bin ich schon ein Stück unnormal in Anführungszeichen. Ich habe immer schon viel Sport gemacht.
Wenn ich beim Sport bin, kann ich einfach meine Gedanken ausschalten.
Früher war für mich Sport: verdrängen, vergessen.
Ich habe Stephan auf einem Geburtstag kennengelernt. Wir verstanden uns gut, sind Freunde geworden und haben viel zusammen gemacht.
Es war ein Seelenverwandter. Es war einfach schön. Ich fühlte mich aufgehoben. Er ist dann an Krebs gestorben.
Ich bin einfach planlos durch die Stadt gelaufen, war völlig platt. Es fehlte jemand. Ein guter Freund war nicht mehr da.
Um diese Leere zu kompensieren und auch nicht großartig nachzudenken, habe ich dann noch mehr Sport gemacht als vorher. Sodass ich wirklich sieben Tage beim Sport war. Nach der Arbeit zum Sport, Essen…wie in so einem Hamsterrad.
Arbeit, Sport, Essen, Schlafen, Arbeit, Sport, Essen, so bloß nicht zu viel Ruhe aufkommen ihn einem Freund gegeben mit der Bitte, ihn mir zu geben, wenn er verstorben sei.
Lieber Frank.
Nun ist es so weit, dass ich gehen muss und dich zurücklasse. Da will ich noch sagen, dass du ein ganz besonderer Mensch für mich bist. Ich will ganz viel küssen, oft und fast überall. Ich will, dass ich mich ohne dich nicht vollständig fühle, weil ich süchtig bin nach deiner Nähe. Ich möchte dämlich grinsen, weil es dich in meinem Leben gibt. Ich möchte dir deine fehlende Hälfte sein, ich möchte dir vertrauen.
Ich will dein Fels in der Brandung sein und ich werde dir niemals wehtun. Ich will es manchmal gar nicht mehr abwarten können, mit dir wieder alleine zu sein und du solltest dein T- Shirt bei mir vergessen, bis du zum nächsten Mal wieder kommst, möchte ich etwas haben, woran ich riechen kann.
Ich liebe dich, Frank.
Als ich den Brief gelesen habe, wollte ich es nicht wahrhaben. Ich hatte Angst vor den Konsequenzen, die das haben könnte, Fragen zuzulassen.
Die Frage wäre ganz klar gewesen: Was war Stephan eigentlich wirklich für dich? War es wirklich nur der gute Freund und wenn es mehr war: Was dann?
Hätte er mir das damals gesagt, Du bist schwul, hätte ich gesagt: Nee. Spinnst du? Es war wirklich dieses noch nicht sehen können, akzeptieren wollen.
Im Nachhinein würde ich schon sagen, dass ich Stephan geliebt habe
Am liebsten wäre es für die Kirche zum Thema Homosexualität, dass das Thema gar nicht vorkäme und einfach totgeschwiegen und ignoriert würde.
Und das ist natürlich auch ein Stück eine Verlogenheit, weil es einfach auch in Kirche jede Menge Homosexuelle gibt und man letztendlich mit der Haltung sie auch verletzt.
Wenn ich so auf die letzten Jahre schaue, gibt es zum Glück schon Veränderungen, aber leider immer noch viel zu schleppend.
Unter Benedikt war das Thema Homosexualität in der Kirche noch schwieriger.
Franziskus ist so ein Wechselspiel der Gefühle. Mal sagt er: Wer bin ich denn, dass ich über sie richte? Aber andererseits kommt dann wieder aus Rom Dokumente, die die strikt die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verbieten. Das ist so ein Hin und her, wo die Kirche nicht den Mut findet, sich klar zu positionieren
Es ist klar, dass der Zölibat weiter gilt. Egal ob homosexuell oder heterosexuell.
Ich könnte einfach so weitermachen, aber ich will es nicht. Wenn alle nur schweigen würden, würde sich nichts bewegen.
Gerade wir erleben in Kirche den Missbrauch und alles was damit zusammenhängt, wie viele eigentlich immer weggeschaut haben. Ich will mir nicht irgendwann vorwerfen lassen: Du hast auch nur geschwiegen, du hast auch nichts zu dem Thema gesagt, wie Kirche mit Homosexuellen umgeht.
So ein Outing für mich als Priester ist nochmal schwieriger, weil das Bild eines Priesters damit auch ein Stück ins Wanken gerät. Ein Priester ist nicht schwul.
Es gibt einzelne Bischöfe, die da eher offener umgehen und wo man das auch ansprechen kann. Aber bei vielen müsste man auch Angst haben, dass sie einen aus dem Dienst entfernen würden.
Ich bin Mitglied einer Gruppe von kirchlichen Mitarbeitern, Priestern.
Diese Gruppe trifft sich online und bereitet eine öffentliche Aktion vor, wo Menschen wie ich sich öffentlich outen und damit ein Zeichen zu setzen, um zu sagen: So kann Kirche nicht mehr weitermachen und es muss sich etwas verändern ändern."
Ich bin auch überrascht von mir selbst. Diese Schritte nun zu gehen, weil es eigentlich überhaupt nicht meins ist.
Wenn ich so auf meinen Prozess der letzten Monate zurückschaue, denke ich, dass ich einfach neue Energie gewonnen habe, dass ich befreiter, gelöster geworden bin, dass ich mich nicht verstecken muss, dass ich auch ein Stück die Angst verloren habe. Ich bin einfach auch glücklich, so sein zu können, wie ich bin und das ich auch dadurch noch authentischer, noch ehrlicher, noch offener und letztendlich noch besser Priester sein zu können.
So bin ich und nicht anders.
Türen kann man nicht einfach öffnen. Die verschlossenen Türen – ganz typisch für das Gefängnis. Dass andere hier heute Morgen einfach hereinspazieren, das war nicht. Egal ob man als Besucher oder Verurteilter in diese verschlossene Welt eines Knastes eintreten will oder muss: Da warten Menschen auf eine existenzielle Entscheidung. Trotz allem sagt auch Jesus zu uns: In deine Situation, so wie du gerade bist, komme ich zu dir. Auch für dich werde ich Mensch. Wer bin ich, dass Gott zu mir kommt? Mir die Hand entgegenhält, sagt: Ich bin da für dich. Ich bin der, ich bin da, ich bin der Gott, der dich in den Brüchen und Schwierigkeiten deines Lebens begleitet, der dich gerade nicht alleine lässt.
Manchmal stelle ich mir die Frage: Was ist, wenn Stefan jetzt gleich durch die Tür käme, wenn er da wäre? Ich wusste es nicht. Ich glaube, im Tiefsten meines Herzens würde ich sagen: Scheiß auf alles! Endlich, Stefan.
Ich fühle mich wegen meiner Homosexualität nicht schuldig. Und zwar, weil für seine sexuelle Orientierung niemand etwas kann und niemand deswegen verurteilt werden darf.
Ich habe die Hoffnung, dass sich in Kirche noch etwas verändern könnte. Denn wenn ich diese Hoffnung nicht mehr hätte. Dann könnte ich auch nicht mehr für diese Institution arbeiten, wenn ich glaube, dass sich dort nichts mehr bewegt, nichts mehr verändern ließe.«
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