Konstanz: Neue Synagoge eingeweiht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

81 Jahre nach Zerstörung Konstanz hat wieder eine Synagoge

Als "Wiedererrichtung jüdischen Lebens in unserer Mitte" hat Ministerpräsident Kretschmann die Eröffnung der neuen Synagoge von Konstanz gewürdigt. Das alte Gotteshaus war in der Reichspogromnacht zerstört worden.
Seit Sonntag hat die neue Synagoge von Konstanz geöffnet.
Seit Sonntag hat die neue Synagoge von Konstanz geöffnet.

Seit Sonntag hat die neue Synagoge von Konstanz geöffnet.

Foto: Felix Kästle/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mehr als 80 Jahre nach der Zerstörung der Synagoge in Konstanz durch die Nationalsozialisten ist dort ein neues jüdisches Gotteshaus eingeweiht worden. Bei einem Freudenzug durch die Gassen der Bodenseestadt trugen am Sonntag Gläubige die heiligen Thorarollen symbolisch vom Standort der ehemaligen Synagoge zu dem rund 50 Meter entfernten Neubau in der Sigismundstraße.

Mitglieder der jüdischen Gemeinde tragen Torarollen von der alten zur neuen Synagoge von Konstanz.

Mitglieder der jüdischen Gemeinde tragen Torarollen von der alten zur neuen Synagoge von Konstanz.

Foto: Felix Kästle/ dpa

Vier Wochen nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle in Sachsen-Anhalt riefen Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und andere Redner unter verstärktem Polizeischutz dazu auf, den Antisemitismus entschlossen zu bekämpfen.

Die Einweihung der neuen Synagoge verdeutliche die "Wiedererrichtung jüdischen Lebens in unserer Mitte", sagte Kretschmann. "Wir begehen damit einen Triumph jüdischer Religiosität, unserer freiheitlichen Grundordnung und unseres interreligiösen Zusammenlebens über die Mächte von Hass und Gewalt."

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, nannte den Zulauf zu Rechten beunruhigend. "Wer AfD wählt, wählt das bewusste Ausblenden der Verbrechen des Nationalsozialismus, den Abschied von der Toleranz für Minderheiten und das potenzielle Aus für die Religionsfreiheit in diesem Land."

Bauherr der neuen Synagoge ist die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden. Die Baukosten gab sie mit rund fünf Millionen Euro an, die Stadt Konstanz habe sich mit der kostenlosen Bereitstellung eines Grundstücks und 155.000 Euro beteiligt.

hpi/dpa