Krawalle in Vororten Stockholms Polizei fordert Verstärkung
Ausgebranntes Auto in Stockholm: Proteste in den Vororten
Foto: JONATHAN NACKSTRAND/ AFPStockholm - Die Krawalle in Vororten von Stockholm sind auch in der fünften Nacht weitergegangen, nun bittet die Polizei der Hauptstadt um Hilfe. Das Ausmaß der Ausschreitungen sei zwar etwas geringer als in den vergangenen Tagen, teilte ein Sprecher mit. Dennoch werde auch wegen bevorstehender Großereignisse wie Fußballspielen und der Hochzeit von Prinzessin Madeleine am 8. Juni Verstärkung aus anderen Landesteilen angefordert.
In der Nacht hatten sich in mehreren Vororten randalierende Jugendliche Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Feuerwehr musste zu 70 Bränden ausrücken. In Älvsjö, südlich von Stockholm, ging eine Polizeiwache in Flammen auf. Auch ein Gemeindezentrum wurde zerstört. In Jordbro griff das Feuer von einem brennenden Auto auf ein Geschäft über.
In dem nördlichen Vorort Kista wurde eine Montessori-Schule in Brand gesteckt. Sie sei seit Tagen beunruhigt gewesen, sagte Schulleiterin Kicki Kobdock Haak dem schwedischen Fernsehen. Ihre Schule sei klein, das Gebäude aus Holz gebaut. "Viele mutige Eltern haben in den Nächten ein Auge auf unsere Schule gehabt, aber es hat nichts genützt."
Selbst Feuerwehrleute wurden mit Steinen beworfen. Es gab 13 Festnahmen, Verletzte wurden nicht gemeldet.
Auslöser der Unruhen ist der Tod eines 69-jährigen Mannes in Husby, einem Stockholmer Vorort mit hohem Migrantenanteil. Die Polizei hatte den Mann nach eigenen Angaben aus Notwehr erschossen. Anwohner vermuten einen rassistischen Hintergrund. Die Gewaltausbrüche griffen im Laufe der Woche auf andere Vororte über.
Die Ausschreitungen lösten eine Debatte über das wachsende Wohlstandsgefälle in Schweden aus. Während es der Mehrheit der Bevölkerung wirtschaftlich gutgeht, fühlen sich vor allem Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund zunehmend ausgegrenzt. Regierungschef Fredrik Reinfeldt wies die Vorwürfe der rechtspopulistischen Partei der Schwedendemokraten zurück, die hohe Jugendarbeitslosigkeit sei Hintergrund der Unruhen.