Freiluftmesse: Libanon jubelt dem Papst zu
Beirut Papst predigt vor 300.000 Menschen
Beirut - Der Papst konnte auf begeisterte Zuhörer hoffen: Knapp 35 Prozent der rund vier Millionen Libanesen sind Christen, die meisten von ihnen gehören mit Rom vereinten Kirchen an. Präsident Michel Suleiman ist der einzige christliche Staatschef im Nahen Osten. Und so war das Publikum auch beträchtlich, als das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntag auf einem riesigen Freigelände im Hafengebiet von Beirut sprach: Mindestens 300.000 Menschen kamen, um Benedikt XVI. zu hören.
Die Messe war Höhepunkt seiner dreitägigen, nicht ungefährlichen Reise. Auch im Libanon kam es zu Gewaltakten als Reaktion auf den als blasphemisch empfundenen Film über den Propheten Mohammed. Seit Monaten fürchten die Libanesen außerdem, dass ihr Land in den Syrien-Konflikt hineingezogen werden könnte.
Andererseits waren die Erwartungen an den Besuch sehr hoch. Gigantische Plakate mit dem Porträt des Papstes und dem Motto "Der Friede sei mit euch", schmückten auch viele Orte, die nicht an der Reiseroute lagen. Die 22-jährige Pharmaziestudentin Racelle Farah sagte vor Beginn der Messe: "Ich hoffe, dass er wegen der Lage in Syrien eine Botschaft an die Politiker richtet und sie zum ernsthaften Handeln anhält."
Sie wurde nicht enttäuscht. Er appelliere an die arabischen Länder, "gangbare Lösungen" vorzuschlagen, "die die Würde jedes Menschen, seine Rechte und seine Religion achten", sagte der Papst. Gott möge den Staaten der Region Staatsführer geben, die "Diener des Friedens seien". Beim sogenannten Angelus-Gebet bat der Papst um ein "Geschenk des Friedens der Herzen, der Waffenruhe und des Endes aller Gewalt", insbesondere in Syrien. Zuvor hatte er bereits ein Waffenembargo gegen das Land gefordert.
Vor der Messe hatten libanesische Streitkräfte das Veranstaltungsgelände mit Panzern und Scharfschützen gesichert. Ein Marineschiff sorgte ebenso für Sicherheit wie Hubschrauber, die kurz vor der Ankunft des Papstes noch einmal über die Freifläche neben dem Hafen flogen.
Ein Schwerpunkt des Papstbesuchs war auch der Dialog mit den anderen Religionen. So hatte sich Benedikt XVI. am Samstag mit den Oberhäuptern der Sunniten, Schiiten, Alawiten und Drusen getroffen. Am Sonntagnachmittag gab es außerdem eine ökumenische Begegnung mit Würdenträgern anderer Konfessionen.