Libyen: 600 Flüchtlinge auf Weg nach Europa festgenommen - DER SPIEGEL
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Auf der Flucht nach Europa Libysche Behörden setzen 600 Flüchtlinge fest

Libyen ist Drehscheibe für Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen. Schleuser nutzen die chaotischen Zustände im Land aus. Doch nun melden Behörden die Festnahme von Hunderten Flüchtlingen.
Festgesetzte Flüchtlinge in Tripolis: Auf dem Weg nach Europa abgefangen
Festgesetzte Flüchtlinge in Tripolis: Auf dem Weg nach Europa abgefangen

Festgesetzte Flüchtlinge in Tripolis: Auf dem Weg nach Europa abgefangen

Foto: Str/ dpa
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In Libyen sind nach Angaben der Behörden rund 600 Flüchtlinge festgenommen worden, die illegal auf dem Weg nach Europa gewesen sein sollen. Das meldet die Nachrichtenagentur afp. Die Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern seien bei einer Großrazzia im Raum Tripolis gefasst worden, teilte der Grenzschutz des Landes demnach mit. Die Festgenommenen hätten über das Mittelmeer in die Europäische Union gelangen wollen. Jetzt seien sie in ein Flüchtlingslager in Tripolis gebracht worden.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 versinkt Libyen immer tiefer im Chaos. Dies wird von Schleppern ausgenutzt, die am Elend der Flüchtlinge verdienen, indem sie ihnen über Libyen den Weg nach Europa versprechen. In dem nordafrikanischen Land gibt es seit dem Umsturz keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die international anerkannte Regierung hat ihren Sitz in der ostlibyschen Stadt Tobruk. Dort sitzt auch das Parlament. In der eigentlichen Hauptstadt Tripolis hat sich eine Gegenregierung etabliert.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer hatten die EU-Außenminister vor wenigen Tagen das Konzept einer Marinemission gebilligt, das gegen Schlepperbanden gerichtet ist. Geplant ist ein Vorgehen gegen Schlepperboote in internationalen und libyschen Hoheitsgewässern und als mögliche weitere Stufe auch gegen Einrichtungen der Schleuser an Land.

Allerdings machen die Europäer das militärische Vorgehen gegen die Schlepperboote von einem UN-Mandat abhängig. Auch die libyschen Behörden müssten zustimmen, so die Bedingung. Doch das lehnt die international anerkannte Regierung bislang ab.

Jeder Verstoß gegen die Souveränität des Staates werde nicht akzeptiert, so ein Regierungssprecher. Er betonte zugleich den Wunsch der Behörden, mit der EU bei der Bekämpfung der Schleuserkriminalität umfassend zu kooperieren.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beklagt die Bedingungen in den Lagern in Libyen , in denen Flüchtlinge untergebracht werden. Viele von ihnen würden von Milizen unterhalten und seien überfüllt. Es gebe Hinweise, dass Menschen dort gequält und gefoltert würden . Die libyschen Behörden gehen von mehreren Millionen Flüchtlingen im Land aus, viele von ihnen aus Somalia, Sudan und Eritrea.

loe/AFP