Los Angeles Polizeigewalt schockt Polizeichef
Los Angeles Der Zusammenstoß zwischen den Polizeibeamten und den Demonstranten am 1. Mai war "der schlimmste Vorfall dieser Art, der mir in 37 Jahren begegnet ist", sagte Bratton laut einem Bericht der "New York Times". Das gewaltsame Vorgehen der Beamten wird nun intern untersucht. Zudem gab die Bundespolizei FBI bekannt, dass sie ermitteln wird, ob die Bürgerrechte der Demonstranten verletzt wurden.
Immigrantenverbände, Bürgerrechtsgruppen und Journalistenorganisationen hatten zuvor ihre Entrüstung zum Ausdruck gebracht. Einen Rüffel gab es auch von der Stadtverwaltung. Die Organisatoren des Protestmarsches warfen der Polizei vor, sich nicht an Abmachungen gehalten zu haben. Während der Vorbereitungen hätte es ausführliche Gespräche gegeben, bei denen sich beide Seiten auf ein bestimmtes Vorgehen der Sicherheitskräfte im Falle von Störungen geeinigt hätten. Daran hätten sich die Beamten im Einsatz aber nicht gehalten.
Videos, die in diversen US- Nachrichtensendungen liefen, zeigen Polizisten in schwarzer Schutzausrüstung, die Demonstranten und Journalisten schubsen und mit Schlagstöcken auf sie einprügeln. Außerdem sind Verletzungen in Großaufnahme zu sehen: große blaue Flecke und blutunterlaufene Wunden, die durch aus nächster Nähe abgefeuerte Gummigeschosse verursacht wurden.
Der Präsident der Los Angeles Police Protective League, Bob Baker, warnte in der "New York Times" jedoch vor vorschnellen Urteilen. Die Demonstranten hätten mit Steinen und Flaschen geworfen. Als die Polizisten die Demonstration auflösen wollten, wären die Teilnehmer ihnen mit Gewalt begegnet. "In den nächsten Tagen wird klar werden, was passiert ist", so Baker.
Seine Sicht der Geschehnisse deckt sich nicht mit der Wahrnehmung der Augenzeugen. Dem Bericht zufolge sagen sie, dass eine Gruppe von Jugendlichen, die nicht zu den Demonstranten gehört habe, einen Straßenzug von der Versammlung entfernt Polizisten attackiert hätten. Die Beamten hätten die Angreifer daraufhin die Straße hinunter zu dem Park, in dem die Protestteilnehmer sich aufhielten, getrieben.
Angela Sanbrano, die den Marsch mit organisiert hatte, sagte der Zeitung: "Sie begannen auf jeden einzuprügeln, der sich nicht bewegte." Die Reporterin eines nationalen öffentlichen Radiosenders, Patricia Nazario, wurde laut dem Bericht zwei Mal mit einem Schlagstock geschlagen. "Es passierte so schnell und ich lag am Boden," sagte sie. "Es war, als wenn sie Roboter mit Autopilot wären."
Die Polizei erklärte dazu, dass sie die Versammlung in dem Parkt als unrechtmäßig erklärt und Befehle erteilt habe, den MacArthur Park westlich von Downtown Los Angeles zu räumen. Die Demonstranten wiederum wollen diese Anweisungen nicht gehört haben. Außerdem seien viele der Teilnehmer nur des Spanischen mächtig und hätten die Beamten nicht verstanden.
Nach Schätzungen des Senders CNN gingen am 1. Mai in Los Angeles knapp 100.000 Menschen auf die Straße, um gegen Abschiebungen zu demonstrieren und die Einbürgerung sowie weitere Rechte für Einwanderer zu fordern.
art