Lotto-Rekordjackpot: Feuern Sie Ihren Chef! - DER SPIEGEL
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Lotto-Rekordjackpot Feuern Sie Ihren Chef!

Deutschlands Annahmestellen kommen kaum gegen das Lottofieber an: Mit 29 Millionen Euro wartet heute die höchste Gewinnsumme der deutschen Lotto-Geschichte auf einen Gewinner. Doch was tun mit so viel Geld? SPIEGEL ONLINE hat ein paar Vorschläge.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Ist Ihnen Ihr Chef schon lange ein Dorn im Auge? Fühlen Sie sich ungerecht behandelt? Mit dem Lotto-Jackpot kann Ihnen geholfen werden. Einfach abhauen und von einer Karibikinsel regelmäßig Postkarten versenden wäre allerdings viel zu plump. Kaufen Sie Ihre Firma, schmeißen Sie den Chef raus, und lassen Sie sich von der Belegschaft feiern. Zumindest so lange, bis Sie selbst gehasst werden.

Oder wollten Sie schon immer mal die Aufstellung Ihrer Lieblings-Fußballmannschaft bestimmen? Viele Vereine würden sich über eine Finanzspritze freuen, ein wenig Mitbestimmung und ein warmes Plätzchen auf der Trainerbank dürften da durchaus verhandelbar sein.

Politisch Engagierten bietet sich gar ein weltweites Betätigungsfeld. Mit 29 Millionen Euro lässt sich die Opposition eines kleinen Militärregimes spürbar aufpäppeln - womöglich könnten Sie die Machthaber zum Rücktritt zwingen.

Noch nie gab es in der mehr als 50-jährigen deutschen Lotto-Geschichte eine so hohe Gewinnsumme. "Wir kämpfen gegen die Schlangen an", sagt Sascha Kovacevic von einem der größten Berliner Lotto-Läden in den Gropius-Passagen. Viele Annahmestellen haben Vorräte an Spielscheinen geordert oder zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

Geringe Chancen

Die federführende Land Brandenburg Lotto GmbH geht "vorsichtig" von einem Umsatzplus von 10 Prozent im Vergleich zur Vorwoche aus. Aus einigen Ländern wurden Prognosen von bis zu 20 Prozent gemeldet. "Im Moment kommen wohl nur wenige am Lottospielen vorbei", sagt Kerstin Waschke, die Sprecherin der Sächsischen Lotto-GmbH in Leipzig.

Bei der Jagd auf die richtigen sechs Zahlen und die passende Superzahl in der Spielart 6 aus 49 werden die Bundesbürger nach Lotto-Angaben voraussichtlich mehr als 50 Millionen Euro verspielen.

Die Chancen auf den Supergewinn sind allerdings denkbar gering. Die Wahrscheinlichkeit auf sechs Richtige und die korrekte Superzahl liegt bei 1 zu etwa 140 Millionen. Zudem werden 52 Prozent der Lotto-Einnahmen für Steuern und Verwaltung benötigt, nur 48 Prozent des Geldes wird ausgeschüttet. Obwohl Lotto ein schlechtes Geschäft für die Tipper ist, geben rund 20 Millionen Bundesbürger Woche für Woche ihren Gewinnzettel in einer Annahmestelle ab.

Manche glauben, ein todsicheres System gefunden zu haben, andere haben ihre eigenen Glückszahlen, die ihnen irgendwann den großen Gewinn bescheren sollen. Doch erzwingen lässt sich das Glück nicht, die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimte Zahl gezogen wird, ist immer gleich. Zwar informiert die "Bild"-Zeitung ihre Leser über diejenigen Zahlen, die in letzter Zeit eher selten gezogen wurden, wie etwa die 13, wahrscheinlicher werden diese dadurch dummerweise aber nicht.

Gefährliches Glück

Den bisher zweithöchsten Jackpot der deutschen Lotto-Geschichte in Höhe von 26 Millionen Euro konnte am vergangenen Samstag kein Tipper knacken. Es gab jedoch sechs Spieler, die jeweils sechs Richtige hatten. Sie erzielten jeweils gut 630.000 Euro. Der mit 23,9 Millionen Euro bisher größte Einzelgewinn in der Lottogeschichte ging im Mai 2005 nach Baden-Württemberg. Der bisher größte Jackpot war im Dezember 2004 mit 26,7 Millionen Euro gefüllt.

Viele Lottogewinner, die über Nacht zu Millionären werden, kommen erstaunlich gut mit ihrem plötzlichen Reichtum klar. So hat ein 45-jähriger Polier aus Mönchengladbach mit seinem Gewinn die Firma seines Chefs vor der Insolvenz gerettet - und seine 15 Kollegen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt. Er gewann im Jahr 2004 rund 6,6 Millionen Euro und beglich als stiller Teilhaber die Schulden seines trudelnden Arbeitgebers.

Es gibt aber auch Glückspilze, die an der neuen Rolle zerbrechen. Der bekannteste unter ihnen war wohl Lothar K. aus Hannover, der 1994 den Jackpot mit vier Millionen Mark geknackt hatte. Der Sozialhilfeempfänger verprasste das Geld mit Sportwagen, Rennpferden und Partys auf Mallorca. Immer dabei: die Boulevardpresse, die fortan fast täglich über "Lotto-Lothar" berichtete. Vier Jahre später war K.s Ehe zerrüttet und das Geld weitgehend ausgegeben - der 53-Jährige starb an den Folgen seiner Alkoholsucht.

jto/ddp/dpa