Love Parade Müde Auferstehung
Berlin - Der Zuspruch zur diesjährigen Berliner Love Parade fällt deutlich geringer aus als von den Veranstaltern erwartet. Unter dem Motto "The Love is back" starteten heute am frühen Nachmittag die insgesamt 40 Lkw zu dem Umzug über die Straße des 17. Juni. Das Publikum wurde zunächst auf etwa 100.000 Menschen geschätzt, später sprach die Polizei von 500.000. Erwartet worden waren aber bis zu einer Million Teilnehmer. Auch die früher zur Love Parade gehörenden Staus auf den Einfallstraßen blieben aus.
Seit Mittag dröhnen von der Festmeile die Rhythmen durch den Tiergarten - offenbar nicht zu jedermanns Freude. Ohrenstöpsel seien sehr gefragt, berichteten die sogenannten Love Guards, die inmitten der Massen bei eventuellen Problemen helfen und Funkkontakt zu den professionellen Rettungsdiensten halten. Rund 40 Musikwagen mit 230 DJs aus 17 Nationen sorgen bei sommerlichen Temperaturen dennoch für Partystimmung.
In kurzen Röcken, orangenfarbenen Bauarbeiter-Westen, neongrünen Plüsch-Stulpen und mit Trillerpfeifen und Sonnenblumen ausgestattet tanzen Jugendliche aus aller Welt hinter den "Love Trucks". Auffallend dabei: Die WM-Stimmung hat sich offenbar hier und dort gehalten. So stimmten einige Partygänger immer wieder Fußball-Sprechchöre und Lobgesänge auf die deutsche Nationalmannschaft an. Bis zum vergangenen Wochenende hatte die Straße noch als Berliner Fan-Meile gedient und war an mehreren Abenden von rund einer Million Fußballfans bevölkert gewesen.
Stelldichein der Szene-Stars
Nach Angaben von Polizei und Malteser Hilfsdienst gab es zunächst keine Zwischenfälle. Es sei absolut ruhig, sagte am Nachmittag eine Sprecherin der Malteser, die mit 600 Helfern im Einsatz sind.
Auch wenn die Massen ausbleiben - die Love Parade ist in diesem Jahr so international wie selten zuvor: An den Plattentellern stehen unter anderem DJs aus Chile, Indien, Australien, Großbritannien, Polen und den USA. Unter den Besuchern wurden vor allem viele Tänzer aus Polen, aber auch aus Österreich, Holland, Australien und Argentinien gesichtet. Offensichtlich haben zahlreiche Fußballfans ihren WM-Besuch ausgedehnt.
Erstmals in der Geschichte der Veranstaltung gibt es auch elf stationäre Bühnen, auf denen Musik gemacht wird. Zur abendlichen Abschlusskundgebung an der Siegessäule werden Stars der Szene erwartet, darunter Westbam, Paul van Dyk, Tom Novy und Louis Osbourne, der Sohn von Heavy-Metal-Legende Ozzy Osbourne.
In den vergangenen zwei Jahren mussten die Veranstalter um Love-Parade-Gründer DJ Dr. Motte alias Matthias Roeingh den Umzug mangels Sponsorengeldern ausfallen lassen. Das Comeback gelang jetzt dank eines neuen Musikkonzepts und neuem Geschäftsführer. Dr. Motte fehlte bei der Wiederauferstehung der Parade allerdings. Er ist mit den neuen Machern um Hauptsponsor Rainer Schaller, den Inhaber der Fitnessstudio-Kette "McFit", zerstritten. Schaller hat zwei Millionen Euro in die Veranstaltung investiert, eine weitere Million steuerten andere Sponsoren bei. Zum neuen Konzept gehört unter anderem ein breiteres Musikangebot. Neben Techno wird jetzt auch Elektro-Pop, House, Trance, Minimal, Progressive und Drum'n'Bass gespielt.
Nach der Abschlusskundgebung können die Raver bei weiteren 60 Love-Parade-Partys bis zum Montagmorgen in den Berliner Clubs weiter feiern.
har/ddp/dpa/ap