Mager-Models: Klum schlägt zurück - DER SPIEGEL
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Mager-Models Klum schlägt zurück

Mangel-Ernährung! Bulimie-Gefahr! Heidi Klum wurde in den vergangenen Tagen wegen ihrer Model-Show scharf kritisiert. Jetzt wehren sich ProSieben und das Supermodel: Per Zeitungsanzeige lassen sie die Kandidaten fragen: Sind wir zu dünn?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Ernst und fast schon betroffen schauen sie den Zeitungsleser an, die zwölf hübschen und aalglatt retuschierten Anwärterinnen auf den Titel "Germany's Next Topmodel". Wären da nicht die prallen Bikini-Dekolletees und die kollektiv-lasziv geöffneten Lippen, man könnte berührt sein. Berührt von dem Engagement dieser jungen Mädchen, die ganz hoch hinauswollen in die Modewelt und sich gerade total missverstanden fühlen.

"Sind WIR zu dünn?" lautet die vorwurfsvolle Eingangsfrage der ganzseitigen Anzeige, die der TV-Sender ProSieben heute in mehreren Tageszeitungen geschaltet hat. Darin beschweren sich die angehenden Mannequins bitterlich darüber, dass Medien und Öffentlichkeit ihnen mit "völlig konstruierten Geschichten" den Spaß an der Show verdürben.

Natürlich würden die Kandidatinnen kritisiert, kämen ihre Schwächen in der Show auf den Prüfstand, erklärten die Mädchen. Heidi Klum und die Coaches Bruce Darnell, Armin Morbach und Peyman Amin seien jedoch die besten Lehrer, die man sich vorstellen könne: "Die harten Regeln für die Modewelt haben sie nicht aufgestellt", heißt es in der Anzeige.

Und denen will man sich offenbar gern unterwerfen. Natürlich sei auch der zwangsläufige Abschied aus der Sendung traurig, aber: "Wenn die Tränen getrocknet sind, wissen wir alle, dass wir ein ganz großes, spannendes Abenteuer erleben." Der Appell an die deutsche Öffentlichkeit: "Wir haben eine geile Zeit. Das soll jeder wissen. Und bitte auch respektieren."

Mit seiner Annonce reagierte der Sender auf Kritik, das Format könne bei jungen Mädchen Essstörungen fördern. Der "offene Brief" erschien unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung", in der "Frankfurter Rundschau", in der "Welt", nicht aber in der "Bild"-Zeitung, die vor allem die Kritik an der am 25. Januar gestarteten Sendung verbreitet hatte.

Den Einschaltquoten tut das Gerangel um die pädagogischen Qualitäten der Sendung keinen Abbruch - im Gegenteil: ProSieben kündigte bereits an, die letzten drei Folgen wegen der großen Zuschauerresonanz um eine Stunde Sendezeit zu verlängern.

ala/ddp