Suche nach Flug MH370 Wahrscheinlichste Absturzstelle wurde offenbar ausgelassen
Australischer Soldat bei MH370-Suche: Kurz vor der errechneten Stelle gestoppt
Foto: REUTERS/ Australian Defence ForcePerth/Kuala Lumpur - Seit mehr als hundert Tagen wird nach der verschwundenen Boeing 777 mit der Flugnummer MH370 gesucht - doch angeblich ist die wahrscheinlichste Absturzstelle der Maschine bislang ausgelassen worden. Das behaupten Experten des britischen Satellitenbetreibers Inmarsat. Die Firma hatte auf Grundlage kurzer Kontakte, die das Malaysia-Airlines-Flugzeug mit einem ihrer Satelliten aufnahm, eine vermutete Absturzstelle im Indischen Ozean errechnet.
Das australische Spezialschiff "Ocean Shield" sei zu der kalkulierten Position geschickt worden, habe aber kurz vor der Ankunft gestoppt und an einem anderen Ort gesucht, nachdem es von dort vermeintliche Blackbox-Signale empfangen hatte. Das sagte ein Inmarsat-Experte in der BBC-Sendung "Horizon" , die am Dienstag ausgestrahlt werden soll. "Es war auf keinen Fall eine unrealistische Stelle, aber es war weiter nordöstlich als der Bereich mit der höchsten Wahrscheinlichkeit", zitierte die BBC Chris Ashton.
Die Aussagen der Inmarsat-Mitarbeiter sind deshalb bemerkenswert, weil der bisherige Sucheinsatz westlich von Australien maßgeblich auf den Berechnungen dieser Firma fußt. Erst kürzlich hatte Inmarsat gemeinsam mit der malaysischen Regierung die Kommunikationsprotokolle des Satelliten mit der vermissten Maschine veröffentlicht, anhand derer die angenommene Flugroute kalkuliert wurde. Unabhängige Experten versuchen seither, die Berechnungen nachzuvollziehen.
Entfernung zum bisherigen Suchgebiet unklar
Eine zweimonatige Unterwassersuche nach dem Wrack in einem Gebiet von 850 Quadratkilometern nordwestlich der australischen Küstenstadt Perth hatte zu keinem Ergebnis geführt. Inzwischen wird angenommen, dass die aufgefangenen Signale nicht von dem Flugdatenschreiber stammten. Die australische Behörde für Verkehrssicherheit teilte ihrerseits mit, das nächste Suchgebiet sei noch nicht festgelegt.
Einem Vorabbericht der BBC zufolge soll die von Inmarsat berechnete genaue Absturzstelle im Fokus stehen, wenn die Suche wieder aufgenommen wird. Wie weit dieser sogenannte Hotspot vom bisherigen Suchgebiet entfernt liegt, wird in dem BBC-Bericht nicht erwähnt.
Die Boeing 777-200 war am 8. März mit 239 Menschen an Bord verschwunden. Sie war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Bisher wurden trotz intensiver Suche keine Wrackteile gefunden. Es wird angenommen, dass das Flugzeug aus noch unbekannten Gründen von seiner Flugroute abkam und in südlicher Richtung weiterflog, bis ihm der Treibstoff ausging und es abstürzte.
Zuletzt war bekannt geworden, dass eine niederländische Firma den Meeresboden im vermuteten Absturzgebiet kartieren soll. Für die Vermessung sollen demnach drei Monate geplant sein; sie umfasst ein Gebiet von 60.000 Quadratkilometern, größer als Nordrhein-Westfalen und Hessen zusammen.