Mormonen-Models: "Muskelbepackte Männer des Glaubens"
Mormonen-Pin-up-Kalender Das devote Dutzend
Auf den ersten Blick ist alles wie bei anderen Erotikkalendern: Da wirft sich ein Dutzend gut bestückter Jungs mit hochentwickelter Bauchmuskulatur in Pose und schaut irgendwie beschwörend in die Kamera. Die Zähne sind weiß, der Gesichtsausdruck - falls vorhanden - eher dümmlich.
Doch die Macher von "Männer mit Mission" lassen ihre Models nicht einfach blank ziehen. Hier zählt die Botschaft, und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die abgebildeten Männer sind ehemalige oder exkommunizierte Prediger der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage".
Noch vor kurzem seien sie predigend von Tür zu Tür gezogen, heißt es in der Projektbeschreibung auf der Website der "entblößten Mormonen". Jetzt jedoch wollten "diese muskelbepackten Männer des Glaubens" endlich die Stereotypen des Glaubens niederreißen und für religiöse und kulturelle Toleranz werben.
"Mormons Exposed" stünde in keiner Verbindung zu der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" liest man kleingedruckt auf der Website der Nackedei-Vermarkter. Etwa 1,7 Prozent der US-Amerikaner bekennen sich zur Glaubensgemeinschaft der Mormonen, weltweit sollen es etwa 14 Millionen sein.
Getreu dem Motto "Mein Körper ist ein Tempel" sind Mormonen dazu angehalten, schädliche Substanzen wie Drogen, Alkohol, Tabak oder Kaffee zu meiden. Tätowierungen, Piercings und jede andere Form der Körpermodifikation gelten als Verstümmelung. Keuschheit hingegen wird gepriesen: Sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und Treue in der Partnerschaft werden vorausgesetzt, Pornografie und Selbstbefriedigung sind verpönt.
Homosexualität bedeutet demnach eine Übertretung des Keuschheitsgebots. Verstöße gegen die Gebote werden unter anderem mit Exkommunikation geahndet. Mormonen sprechen sich explizit gegen eine Ehe unter Gleichgeschlechtlichen aus, was immer wieder zu Protesten geführt hat.
"Heiße Mormonen-Muffins"
Das "devote Dutzend" sei handverlesen, schwärmen die Kalendermacher. Man habe nur die attraktivsten Männer ausgesucht, die sich zudem auch noch humanitär engagierten. Geradezu selbstlos seien diese Kerle: "Sie haben den Armen geholfen, den Hungernden zu Essen gegeben, Schulen und Häuser gebaut", heißt es bewundernd.
Die Kalenderaktion sorgt seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 2008 für Kontroversen. Großen Anklang fand das Projekt in der Gay-Community, obwohl viele der Models laut eigenem Bekunden heterosexuell und Familienväter sind. Knapp sieben US-Dollar kostet ein Kalender - die Einnahmen aus dem Verkauf werden für wohltätige Zwecke gespendet.
Wenig modern geben sich die rebellischen Missionare in Sachen Gleichberechtigung. Im Jahr 2010 gaben sie einen Kalender namens "Heiße Mormonen-Muffins" heraus. Übers Jahr verteilt tummeln sich da keusch-fröhliche Dirndl-Trägerinnen, aufreizende Häschen und jede Menge offenherziger Pin-ups. Auf dem Deckblatt präsentiert eine halbnackte Blondine ein Tablett mit Mini-Törtchen, die so rund sind wie ihr aufgeporschter Busen. Bildbeschreibung: "Der Geschmack der Mutterschaft".