Natalia Wodjanowa: Topmodel verteidigt behinderte Schwester - DER SPIEGEL
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Natalia Wodjanowa: Topmodel mit Herz

Foto: © Stephane Mahe / Reuters/ REUTERS

Top-Model Natalia Wodjanowa Der Zorn der großen Schwester

Top-Model Natalia Wodjanowa empört sich bei Facebook: Ihre behinderte Schwester wurde in Russland aus einem Café geworfen. Jetzt ermittelt die Polizei.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Schicksal hätte die Schwestern Wodjanowa unterschiedlicher kaum treffen können. Aufgewachsen sind beide im russischen Nischni Nowgorod, in armen Verhältnissen, bei der alleinerziehenden Mutter. Natalia, heute 33 Jahre alt, brachte es zum internationalen Top-Model, zierte das Cover der "Vogue", war das Gesicht von Calvin Klein.

Die 27-jährige Oksana lebt noch immer in der Heimat. Sie ist schwer behindert, leidet unter zerebraler Kinderlähmung und Autismus. Als Oksana jüngst mit ihrer Betreuerin ein Café in ihrer Heimatstadt besuchte, geschah etwas Unfassbares: Der Besitzer des Cafés drängte die Frauen, zu gehen. Oksana würde "alle Gäste hinausschreien". Die Frauen weigerten sich - und der Mann rief seine Sicherheitsleute. "Haut ab, oder wir rufen die Irrenanstalt an und schließen euch im Keller ein", bekamen die Frauen zu hören.

Die Polizei ermittelt

Von dem Vorfall erfuhr rasch die Welt - weil Top-Model Natalia ihn auf Facebook  detailliert beschrieb und sich empörte. "Was meiner Schwester passierte, ist kein Einzelfall. Es ist leider Realität für alle Familien, die Kinder mit speziellen Fürsorgebedürfnissen haben."

Der Eintrag fand enorme Resonanz. Innerhalb eines Tages, das schreibt die BBC , markierten 80.000 Leser den Aufschrei der älteren Schwester mit "Gefällt mir". Die Polizei nahm Ermittlungen auf. TV-Sender schickten Teams auf den Weg. Die Besitzer des Cafés mussten sich erklären - und verteidigten sich: Oksana habe sich "merkwürdig" verhalten. Sie habe auf dem Gehweg gesessen und ihren Kopf gegen die Wand geschlagen.

Behinderte haben es schwer in Russland

Seit langer Zeit schon setzt sich Natalia Wodjanowa für die Rechte behinderter Menschen ein. Sie gründete 2004 eine Stiftung für benachteiligte Kinder in Russland. Darüber hinaus übernahm sie eine Rolle als Botschafterin für die Paralympics in Sotschi im vorigen Jahr.

Russische Menschenrechtler äußerten die Hoffnung, dass der Fall etwas ändert am Umgang mit Behinderten, die noch häufig aus Scham von ihren Familien versteckt oder sogar eingesperrt werden. Bereits zu den Paralympics in Sotschi habe die Regierung landesweite Besserungen versprochen - doch die lassen noch immer auf sich warten.

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