Toter Teenager in New Yorker Sekte Schläge mit dem Elektrokabel
Gebäude der Word of Life Christian Church in New Hartford: Ermittlungen nach Todesfall
Foto: AP/dpaDas Gebäude sieht von außen so harmlos aus, eine frühere Schule in New Hartford, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New York: Backsteinmauern, gepflegter Rasen vor dem Eingang. Doch hinter der Fassade spielte sich am vergangenen Sonntag Schlimmes ab, davon ist die Polizei überzeugt. Mehrere Mitglieder der Word of Life Christian Church haben zwei Teenager, 19 und 17 Jahre alt, stundenlang so schwer verprügelt, dass der ältere der beiden Brüder starb. Unter den mutmaßlichen Tätern: die Eltern der Jungen.
Noch ist nicht alles geklärt, doch aufgrund der Angaben der Ermittler, Zeugenaussagen und Schilderungen von Aussteigern ergibt sich langsam ein Bild der Vorgänge in der Vereinigung, die sich in einem Schriftzug auf der Hausmauer als christliche Kirche bezeichnet. Das Bild einer fremden, abgeschlossenen Welt.
Offenbar wurden die jungen Männer in einer "Beratungssitzung" geschlagen, weil der Ältere der beiden vorhatte, die Word of Life Christian Church zu verlassen. Sie sollten ihre Sünden gestehen und um Vergebung bitten.
Die Tragödie begann nach einem Gottesdienst am Sonntag. Laut den Aussagen von Daniel Irvin, dessen Familie die Word of Life Christian Church führt, wandte sich die Priesterin an die Gemeinde und sagte, einer unter ihnen praktiziere Hexerei. So berichtet es die "New York Times" unter Berufung auf Verhörprotokolle, die nicht veröffentlicht wurden. Der 19-Jährige habe gesagt, er sei derjenige, von dem die Rede ist. Die Kirchenoberen sollten sterben und er habe überlegt, eine Vodoo-Puppe zu basteln.
Die Polizei sprach nur davon, dass der 19-Jährige die Word of Life Christian Church habe verlassen wollen. Der junge Mann wurde laut der Zeugenaussage Irvins auch mit einem Verlängerungskabel geschlagen.
Den Eltern des Jungen wird ein Tötungsdelikt vorgeworfen. Sie hatten bei der Polizei als Rechtfertigung zunächst angegeben, ihre Söhne hätten andere Kinder missbraucht - laut den Ermittlern gibt es jedoch keine Anzeichen dafür. Vielmehr seien die Brüder "Opfer eines grausamen Verbrechens" geworden, so Polizeichef Michael Inserra.
Kontrolle und Erniedrigung
Vier weiteren Mitgliedern der religiösen Vereinigung wird Körperverletzung vorgeworfen. Der 17 Jahre alte Bruder des Todesopfers liegt noch immer im Krankenhaus. Warum die "Beratungssitzung" derart ausartete, wisse er noch nicht, sagte Inserra.
Die Mutter sei zu schwach gewesen, um der brutalen Züchtigung Einhalt zu gebieten, hatte ihr Anwalt behauptet. Sie, die seit 30 Jahren in der Gemeinde bete, habe nicht die emotionale Kraft gehabt, sich den anderen entgegenzustellen.
Anwohnern in der Nähe war die Word of Life Christian Church offenbar schon länger nicht geheuer. Von einer Sekte ist jetzt die Rede, von "zwielichtigen Aktivitäten", Gesängen und Gesumme spät in der Nacht. Laut Polizei waren etwa 40 Mitglieder in New Hartford aktiv, teilweise lebten sie in dem Gebäude. Mehrere Kinder wurden nun in die Obhut von Kinderschutzorganisationen gegeben.
Die Website "Syracus.com" veröffentlichte den Brief eines früheren Mitglieds der Word of Life Christian Church. Den Schilderungen zufolge herrscht dort eine Atmosphäre der Kontrolle und Erniedrigung.
Auch in der "New York Times" berichtete ein früheres Mitglied von schlimmen Zuständen. Mitglieder seien von der Kanzel herab bloßgestellt worden. "Das war eine Sekte, keine Kirche. Es ist mir egal, welche Worte sie auf ihr Gebäude schreiben. Der Geist dieses Ortes war nicht von Freiheit geprägt."