Willem-Alexander und Máxima: Besuch im Ländle
Niederländisches Königspaar in Stuttgart Máximal normal
Vier Hüte für zwei Tage, das schafft nur eine echte Königin. Bei ihrer 36-stündigen Stippvisite in Deutschland beglückte Máxima, die niederländische Königin der Herzen, als Stilbotschafterin Berlin, Wiesbaden, Frankfurt und Stuttgart, und bewies dabei Umziehkünste, wie man sie hierzulande nur von "Germany's Next Topmodel" kennt.
Statt "Klompen", wie die traditionellen Holzschuhe in Holland genannt werden, hatte Ihre Majestät nudefarbene Lack-Pumps im Gepäck, in denen sie lächelnd über deutsches Kopfsteinpflaster stöckelte. Dazu gab es farbenfrohe Ensembles in Gurkengrün, Pink und natürlich Oranje für die Fotografen der Regenbogenpresse. Und wann sieht man in Deutschland schon einmal so viel Glitzerschmuck an einer einzigen Frau, der garantiert nicht von Swarovski ist?
Die Königin sei natürlich eine sehr hübsche Frau, räumte Gerlinde Kretschmann ein. "Aber wenn man sie nur auf ihre Kleider und ihr Äußeres reduziert, tut man dieser Frau echt Unrecht", erklärte am Abend die schwäbische "Förschd Lady" sichtlich beeindruckt von ihrem charmanten Gast.
Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein. Das zeigt schon ihre Anreise an diesem Dienstag in Stuttgart. Während die 41-jährige Königin, begleitet von 15 Polizeimotorrädern in der schwarzen S-Klasse vorfährt, kam Gerlinde Kretschmann, 65, mit dem Zug, zweite Klasse, direkt aus Sigmaringen, die hohen Schuhe noch in der Handtasche verstaut.
Im Waggon traf die pensionierte Grundschullehrerin vier schäkernde Schwäbinnen mit niederländischen Wurzeln auf dem Weg zum "Königinnengucken". Frau kam ins Gespräch. Und als klar war, dass Gerlinde Kretschmann an diesem Tag auf der anderen Seite des Absperrbands stehen würde, da drückten ihr die Mitreisenden spontan ihren orangefarbenen Schal in die Hand und baten um ein Máxima-Autogramm.
Gerlinde Kretschmann ist eine zutiefst bodenständige Frau und als Gattin des ersten grünen Ministerpräsidenten alles andere als der typische Monarchie-Fan. Allüren kennt sie nur aus Klatschzeitschriften und letztere nur vom Zahnarzt. Und mit Hüten hat sie eigentlich gar nix am Hut.
Dass es die frischgebackene niederländische Königin trotzdem geschafft hat, über einem Filetsteak vom Hohenloher Weiderind bei der Frau des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Eindruck zu schinden, will also durchaus etwas heißen. Klug und spritzig und "wirklich witzig" sei das Mittagessen im Neuen Schloss gewesen, da waren sich alle Beteiligten einig. Und ergänzten, dass Máxima und Willem-Alexander eben nicht nur für die Fotografen eine gute Figur machten, sondern auch in Fragen der Wirtschafts- und Energiepolitik einiges zu sagen hatten.
Auch bei der Abschlusspressekonferenz im Stuttgarter Hotel Le Méridien - vier Gruppen à acht Minuten, eine Frage pro Journalist, so die Vorgabe der Botschaft - punkteten "Königs" als Volksversteher. Mit Handschlag begrüßten sie vom Hofberichterstatter bis zum Kabelträger jeden Gast im Saal Elysée II persönlich. Sie plauderten freimütig darüber, dass die Königstöchter keine Mitbringsel von den Reisen der royalen Eltern zu erwarten hätten - "das finden wir keine gute Erziehungsmethode" - und sie sich seit der Amtsübernahme vor genau einem Monat auch nicht wirklich anders fühlen als zuvor.
Máxima beantwortete Fragen zu ihrem Outfit genau so geduldig wie zum Hochwasserschutz. "Mit der deutschen Ingenieurskunst und der niederländischen Kreativität können wir zusammen viel bewegen", erklärte die Königin, inzwischen in eine Tunika mit Trompetenärmeln gekleidet. Und den orangefarbenen Schal ihrer Zugbekanntschaften hat Gerlinde Kretschmann übrigens wirklich signieren lassen. "Da hat die Máxima sofort mitgemacht."