Internat in Hessen Neuer Verdachtsfall an der Odenwaldschule
Wohnhäuser der Odenwaldschule: Offenbar weiterer Verdachtsfall
Foto: Uwe Anspach / dpaHeppenheim - Die Odenwaldschule kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nun spricht der Schulleiter im Zusammenhang mit dem Kinderporno-Skandal von einem neuen Verdachtsfall. Weitere Details sollen erst am Mittwoch bekanntgegeben werden. Die Nachrichtenagentur AFP meldet, es gehe um das Verhältnis eines gekündigten Lehrers zu einem Schüler oder einer Schülerin.
Nach Angaben des zuständigen Dezernenten handelt es sich um denselben Lehrer, der bereits im Mittelpunkt der jüngsten Affäre um illegales Material aus dem Internet steht. Der Mann hatte erst vor wenigen Tagen im Zuge der Ermittlungen eingeräumt, kinderpornografisches Material heruntergeladen zu haben. Er war zwar fristlos entlassen worden. Die Behörden werfen der Schule aber vor, zu spät und nicht umfassend genug informiert zu haben.
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE geht es nun um einen Vorfall der sich laut einem Schüler bei einer Klassenfahrt in Jahr 2013 ereignet hatte. Der Schüler habe gegenüber Internatsmitarbeitern und Mitschülern von einem eindeutigen Übergriff dieses Lehrers während eines Zelturlaubs berichtet.
Schon 2013 hatten sich Schüler über den Pädagogen beschwert. Öffentlich gemacht hatte die Schule den Fall aber erst, als Medien berichteten. Laut Staatsanwaltschaft sind bisher keine sexuellen Übergriffe des Mannes bekanntgeworden.
Strenge Auflagen
Über den neuen Vorfall sei die Staatsanwaltschaft informiert, hieß es vonseiten der Schule weiter. Es werde geprüft, ob die Vorwürfe strafrechtlich relevant seien. Seit Montag wisse man davon.
Die jüngsten Ereignisse folgen auf einen spät bekannt gewordenen Missbrauchsskandals an der Schule vor mehreren Jahrzehnten. Seit den sechziger Jahren hatten Lehrer der Schule mindestens 132 Schüler sexuell missbraucht. Die Übergriffe kamen aber erst vor wenigen Jahren an die Öffentlichkeit. Die Schule hatte daraufhin Reformen versprochen, um für die Schüler Sicherheiten einzubauen.
Nach einem Krisengespräch mit den Aufsichtsbehörden bekam die Odenwaldschule am Dienstag strenge Auflagen. Darauf hatten sich die Behörden und die Schulleitung bei dem Treffen im südhessischen Heppenheim geeinigt. Die Schule müsse ab sofort monatlich schriftlich und ausführlich über alle außergewöhnlichen Vorfälle informieren, sagte der stellvertretende Landrat Matthias Schimpf (Grüne). Es werde künftig fünf statt drei pädagogische Fachkräfte geben. Die Schule müsse zudem Hilfe von außen annehmen, ihr Präventionskonzept überarbeiten und "ihr Betreuungskonzept überdenken".