Post mortem: Mosi avanciert zum Romanhelden - DER SPIEGEL
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Post mortem Mosi avanciert zum Romanhelden

Fünf Monate nach dem gewaltsamen Tod von Rudolph Moshammer plaudert eine Bekannte des Modezaren aus dem Nähkästchen: In ihrem "in freundlicher Abneigung" verfassten Roman erzählt die Autorin von Mosis Mutti, Münchens Schickeria und Weißwürsten unter Leitungswasser.
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München - Für einen Moment hätte man annehmen können, dass Rudolph Moshammer gleich selbst durch die Tür schreitet: Sein schwarzer Rolls Royce mit dem Kennzeichen M-RM-111 stand da, sein Leibwächter war gekommen, Weggefährten wie Birgit Bergen oder Veronique Aimee und weitere Mitglieder der Münchner Schickeria. Anlass für das Bussi-Bussi-Treffen war eine Buchpräsentation in einem Münchner Autohaus. Die Autorin ist die ehemalige Modedesignerin und Society-Lady Maja Schulze-Lackner. Vier Jahrzehnte kannte sie Moshammer und war ihm, wie sie es selbst gern formuliert, "in freundlicher Abneigung verbunden". Als ihr Verleger mit der Idee eines Mosi-Romans auf sie zugekommen sei, habe sie anfangs gezögert, dann aber doch "richtig Spaß" am Schreiben bekommen. Nach nur zwei Monaten und zehn Tagen war das 220 Seiten lange Buch fertig.

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Enthüllungen gibt es darin nicht. "Es ist einfach ein amüsanter biografischer und autobiografischer Roman", betonte Schulze-Lackner, "mit Geschichten über Mosi und München". Autobiografisch ist er deswegen, weil sie selbst - ebenfalls einst Besitzerin eines Modegeschäfts - in dem Buch immer wieder vorkommt.

"Prenatal" habe sie angefangen, beim Kennenlernen von Moshammers Eltern Else und Richard. Vom "unerträglichen Zusammenleben" der Familie mit Elses Schwiegermutter ist da zu lesen. Sie habe gegen den eigenen Sohn bei seiner Versicherung intrigiert, was letztlich zur Arbeitslosigkeit Richards und dem tiefen Fall der Familie geführt habe. Rudolphs Vater verfiel dem Alkohol und starb als Obdachloser.

"Rudili", wie die Mama ihren Sohn rief, sei trotzdem schon als Kind überzeugt gewesen: "Ich werde später reich und berühmt." Tatsächlich gelang das dem jungen Modemacher mit seinem Geschäft in der Maximilianstraße "Carneval de Venise" und seinen schrillen Kreationen ja auch. Schulze-Lackner beschreibt, wie sie und viele andere in der Schickeria erstaunt den Aufstieg Moshammers beobachteten, als er Prominente wie Arnold Schwarzenegger oder José Carreras einkleidete und sein Laden "brummte".

Und bei der Lektüre wird auch klar, was sie mit dem Ausdruck "freundliche Abneigung" meint. Der Rudi sei "süchtig nach Presse" und "nicht sehr großzügig gewesen", liest man da zum Beispiel. Aus Sparsamkeit hätten die Moshammers in ihrem Geschäft anfangs sogar die Weißwürste mit heißem Leitungswasser warm gemacht, anstatt sich Kochplatten zuzulegen. Zwei Seelen hätten in Mosis Brust gekämpft: "Die eine war ungeheuer nett und reizend, die andere böse und verletzend. Wenn er seine Anfälle hatte, verschonte er keinen, am wenigsten seine Mutter, die er aufrichtig liebte."

Natürlich lässt die Autorin auch die Homosexualität Moshammers nicht aus. Auf einer Party habe sie selbst von dem offenen Geheimnis erfahren, dass Moshammer nachts in seinem Rolls durch die Stadt gefahren sei und nach Strichjungen gesucht habe. Als sie von seinem gewaltsamen Tod hörte, sei ihr darum sofort klar gewesen, was passiert sein musste. Moshammer war Mitte Januar in seinem Haus in Grünwald von einem Sexualpartner erdrosselt worden. Motiv war offenbar Streit um 2000 Euro Liebeslohn.

"Alles was in dem Roman steht, ist wahr", betonte Schulze-Lackner gestern in dem Autohaus, in dem Moshammer einst seinen ersten Rolls Royce gekauft hatte. Diejenigen, die in der Presse ohnehin mit vollem Namen genannt worden seien, habe auch sie genannt, die anderen nicht. Dafür kommt dann aber zum Beispiel ein "Fritz Wipper" vor, der Mosi so gut habe nachmachen können, dass vor Lachen immer "alle unter dem Tisch" lagen. Oder der Verleger "Herbert Binda", den Mutter Else einmal in eine peinliche Situation gebracht habe.

Keine Antwort wusste Schulze-Lackner auf die Frage, an wen sich ihr Buch nun eigentlich richte. Auf keinen Fall habe sie es aber nur für Mosi-Fans geschrieben.

Marina Antonioni, DDP

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