Unwetter-Chaos "Rock am Ring" abgebrochen - 90.000 Besucher müssen abreisen
Wegen anhaltender Unwettergefahr ist "Rock am Ring" in der Nacht abgebrochen worden. Nach einer erneuten Warnung vor schweren Gewittern habe die Verbandsgemeinde Mendig die Genehmigung für die Abschlusskonzerte entzogen, teilten die Veranstalter in der Nacht auf Sonntag mit. Die mehr als 90.000 Besucher wurden gebeten, wegen der Gefahrenlage bis zum Mittag abzureisen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Bereits am Samstag war das Festival wegen Unwetterwarnungen für sieben Stunden unterbrochen worden. Auch am späten Nachmittag ging noch einmal ein heftiges Gewitter mit Starkregen über dem Festivalgelände in Mendig nieder. Einige Besucher brachen auf, die meisten aber harrten aus.
Am Abend aber ging es dann ab 21.30 Uhr auf zwei Bühnen weiter, unter anderem mit den Red Hot Chili Peppers, Killswitch Engage, Billy Talent sowie The Boss Hoss.
Wetterchaos bei "Rock am Ring": Die Show ist beendet
Bereits der Auftakt des Festivals am Freitag war von heftigen Regenfällen begleitet. Kurz nach 20 Uhr brach dann ein ungewöhnlich heftiges Gewitter aus. Blitze schlugen naher der Bühne ein, auf den Campingplätzen wurden zahlreiche Zelte zerstört. Am Samstag sprachen die zuständigen Behörden von 81 Verletzten. Am Sonntag hieß es vom Roten Kreuz, durch Blitzeinschlag habe es insgesamt 71 Verletzte gegeben. Zwei der Besucher mussten reanimiert werden, die meisten seien jedoch auf dem Weg der Besserung.
Auch in anderen Teilen Deutschlands ziehen die Unwetter nicht ab
Rund um Bonn sorgten am Samstagabend heftige Regenfälle für Überschwemmungen. Mehrere Bäche waren nach einem Unwetter über die Ufer getreten, Keller liefen voll, und ganze Straßenzüge standen unter Wasser. "Von landesweit 30 Einsätzen wegen der Regenfälle hatten wir rund die Hälfte in Bonn", sagte ein Sprecher der Polizei.
Auch in Bayern bleibt die Lage in einigen Gegenden dramatisch: Für das vom Hochwasser betroffene Gebiet rund um die oberbayerische Gemeinde Polling ist am Sonntagmorgen der Katastrophenfall erklärt worden. Im unterfränkischen Steinmark fuhr ein Blitz in ein Wohnhaus und entfachte einen Brand. Wie die Polizei mitteilte, erlitten vier Bewohner leichte Verletzungen, als sie am Samstag aus dem brennenden Gebäude flüchteten. Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten am Abend ebenfalls leicht verletzt. Der Schaden beträgt 100 000 Euro.
Im niederbayerischen Kurort Bad Abbach löste ein einschlagender Blitz einen Wohnhausbrand aus. Es entstand ein Schaden von 400 000 Euro. Verletzte gab es nicht. Die Einsatzleitung in Niederbayern zählte in den Abendstunden 140 Notrufe. Umgefallene Bäume blockierten Straßen, Keller und Tiefgaragen liefen voll, Straßen waren überschwemmt oder verschlammt. Im Hochwassergebiet rund um Simbach habe es zwar wieder geregnet, größere Schäden seien bislang aber nicht bekannt geworden.
Am Sonntag sei wieder mit lokalen Unwettern zu rechnen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Im Westen und Süden Bayerns drohten schwere Gewitter mit Blitzschäden, Hochwasser und Überflutungen.
Hendricks will mehr Vorsorge
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) neue Vorsorgemaßnahmen. Die Behörden sollten sich "für akute Überschwemmungsgefahren durch Bäche und kleine Flüsse noch besser wappnen", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Dazu könnten neue Frühwarnsysteme gehören, aber auch neue Katastrophenszenarien für Polizei, Zivilschutz und Feuerwehr.
Für die großen Flüsse Rhein, Donau, Elbe, Oder und Weser gebe es nationale Vorsorgeprogramme. "Bestürzend an den jüngsten Überschwemmungen ist aber, dass sie nicht an Flüssen stattfanden, sondern sich kleine Bäche in reißende Ströme verwandelten", sagte Hendricks.
Man dürfe zwar nicht jeden Starkregen unmittelbar auf den Klimawandel zurückführen. "Aber klar ist: Die Anzahl und die Intensität extremer Wetterlagen in Mitteleuropa nehmen zu, das sind Zeichen für einen Klimawandel." Der natürliche Lauf der Jahreszeiten sei erkennbar durcheinander geraten.