Rohr-Baby aus China Mutter erlitt angeblich Sturzgeburt
Neugeborenes aus Abflussrohr: Im Brutkasten Nummer 59 eines Krankenhauses von Jinhua
Foto: CHINA STRINGER NETWORK/ REUTERSJinhua - Feuerwehrleute schnitten das 2,3 Kilogramm schwere Baby aus dem Rohr heraus. Es war offenbar in der Toilette heruntergespült worden und dann stecken geblieben. Von der Mutter fehlte zunächst jede Spur. Jetzt äußerte sie sich erstmals zu dem Vorfall.
"Am Samstagnachmittag bekam ich Schmerzen im Bauch und ging auf die Toilette", sagte sie laut Angaben der staatlichen Zeitung "Dushi Kuaibao" aus Hangzhou. "Kurz darauf kam das Baby heraus und glitt direkt in die Toilette. Ich versuchte, es zu greifen, aber es rutschte immer tiefer." Sie habe Angst gehabt, entdeckt zu werden, und die Blutspuren am Boden beseitigt. Dann habe sie die Vermieterin des Gebäudes alarmiert.
Die Frau soll ihre Schwangerschaft verheimlicht haben. Erst als die Polizei von Jinhua in der Provinz Zhejiang sie verhörte, bekannte sie sich zu der Geburt. Bei der dramatischen Rettungsaktion der Feuerwehrleute, die einen Teil des zehn Zentimeter dicken Rohres mit dem Kind darin absägten und ins Krankenhaus brachten, war sie anwesend. "Obwohl die Feuerwehrleute es herausbekommen haben, habe ich geschwiegen, weil ich besorgt war, wie ich es aufziehen könnte."
Tortur relativ unbeschadet überstanden
Auf Nachfragen der Polizei packte sie schließlich aus. Die junge Mutter habe beteuert, sie habe das Kind nicht töten wollen. Auch fürchtete sie, dass ihre Eltern etwas davon erführen. Wie die Zeitung "Dushi Kuaibao" berichtete, waren die Behörden der Frau auf die Schliche gekommen, weil sie Baby-Spielzeug und blutverschmiertes Toilettenpapier in ihrem Zimmer fanden, das sich im selben Gebäude befand, in dem auch der Rettungseinsatz stattfand.
Vater des Kindes soll ein Mann aus Pujiang sein, den die junge Frau Ende vergangenen Jahres kennengelernt hatte. Er habe aber die Vaterschaft nicht anerkannt. Für eine Abtreibung habe die Frau nicht genug Geld gehabt. Um ihren Bauch zu verbergen, habe sie ihn mit Tüchern eng gebunden und lockere Kleidung darüber getragen.
Die dramatische Rettungsaktion, die auf Video festgehalten wurde, hatte international für Wirbel gesorgt. Zuerst war die Polizei von einem Mordversuch ausgegangen. In den sozialen Netzwerken hat der Fall einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. "Die Eltern, die so etwas getan haben, haben ein Herz, das schmutziger ist als diese Abwasserleitung", lautete ein Eintrag. Aufgrund der strikten Ein-Kind-Politik der Regierung müssen Paare mit mehr als einem Kind im Normalfall hohe Strafen bezahlen.
Der kleine Junge hat die Tortur bis auf ein paar Schürfwunden relativ unbeschadet überstanden. Er erholt sich seit seiner Rettung am Samstag im Brutkasten Nummer 59 eines Krankenhauses von Jinhua. In den Medien wird er deshalb auch "Nummer 59" genannt. Was weiter mit dem Baby geschehen wird, ist noch unklar. Die Mutter litt unter Fieber und wurde medizinisch betreut.
Die Zahl ungewollter Schwangerschaften in China steigt - und mit ihr die der Abtreibungen. Als Gründe werden eine fehlende Sexualerziehung sowie eine allgemein laxere Haltung in Sachen Sex angeführt. Dem Soziologen Li Yinhe zufolge haben 70 Prozent aller Chinesen Sex vor der Ehe, viele von ihnen ungeschützt.