Erste Silvesterbilanzen Streitereien, Schlägereien – und brennende Balkone
Abgebranntes Feuerwerk in Berlin am Neujahrstag: Die Polizei hatte wieder mehr zu tun als 2020 und 2021
Foto: Christophe Gateau / dpaErstmals seit 2019 haben die Menschen in Deutschland wieder weitgehend ohne pandemiebedingte Einschränkungen den Jahreswechsel gefeiert. Was genau das für die Polizeien und Feuerwehren bedeutete, variierte von Region zu Region und Stadt zu Stadt. Während etwa das Polizeipräsidium Südhessen die erste Silvesternachthälfte »ohne größere Besonderheiten« beendete, meldete die Polizei Berlin »deutlich« mehr Einsätze als in den vergangenen beiden Jahren.
Einem Sprecher der Polizei Berlin zufolge machte sich in der Hauptstadt die Rückkehr erlaubter Pyrotechnik bemerkbar. Bei vielen Einsätzen sei es um Brände in Wohnungen und Fahrzeugen gegangen, hieß es. Sowohl Polizeibeamte als auch Feuerwehrleute seien bei Einsätzen durch Feuerwerkskörper verletzt worden.
Die Polizei Berlin berichtete auf Twitter ausführlich von ihren Einsätzen. Demnach wurden in mehreren Stadtteilen gezielt Fahrzeuge und Gebäude, aber auch Menschen mit Feuerwerkskörpern beschossen. Die Feuerwehr Berlin schrieb auf Twitter, dass ein Löschfahrzeug durch den »Beschuss durch Pyrotechnik« massiv beschädigt worden sei.
Bis Mitternacht seien bei ihrer Leitstelle 674 Notrufe eingegangen, teilte die Berliner Feuerwehr mit. Auf ihrem Twitteraccount war am Sonntagmorgen auch von einer »brennenden Straßenbarrikade« die Rede sowie von Vermummten, die Einsatzkräfte mit Steinen und Eisenstangen beworfen hätten .
In Hamburg sagte ein Feuerwehr-Sprecher am Sonntagmorgen: »Es gab viele, viele Einsätze, aber keine größeren.« Vor allem sei es um brennende Balkone und Mülltonnen gegangen. Auch ein Sprecher der Hamburger Polizei sprach von zahlreichen Einsätzen: »Streitereien, Schlägereien – das Übliche«, wie er es formulierte.
»Deutlich mehr Verletzungen durch Feuerwerkskörper«
Auch in anderen Bundesländern blieb es zunächst weitgehend ruhig. Die Polizei Sachsen sprach von »kleineren Bränden aufgrund von fehlgeleiteter Pyrotechnik«. Dem Polizeipräsidium Südhessen zufolge bewegte sich die Zahl der Einsätze wegen »Randalierern, Schlägereien und sonstigen Streitigkeiten« bis Mitternacht »auf dem üblichen Wochenendniveau«. Die Polizei Rheinland-Pfalz meldete brennende Mülltonnen in Worms sowie den Brand einer Gartenhütte in Linz am Rhein.
In Düsseldorf rückte die Polizei in der Silvesternacht wegen »diverser Randalierer und auf sich einschlagender Personen« aus. In Bochum kam es laut Feuerwehr zu »deutlich mehr Verletzungen durch Feuerwerkskörper« als in den Vorjahren. Insgesamt sei der Jahreswechsel wegen der wegfallenden Einschränkung beim Böllern »sehr einsatzreich« verlaufen.
Ein Polizeisprecher aus Unterfranken beschrieb das Einsatzaufkommen beim diesjährigen Jahreswechsel, indem er von einem »typischen Silvester vor Corona« sprach. In Stuttgart, wo innerhalb des City-Rings eine Feuerwerksverbotszone eingerichtet worden war, kam es laut Polizei zu keinen schwerwiegenden Vorkommnissen.
In Frankfurt am Main begrüßten Hunderte Menschen das neue Jahr am Mainufer. Um 23 Uhr sperrte die Polizei jedoch die Fußgängerbrücke »Eiserner Steg«, auf der viele Feiernde traditionell das Silvesterfeuerwerk vor der Frankfurter Skyline beobachten. »Es wäre einfach zu gefährlich, noch mehr Menschen auf die Brücke zu lassen«, so ein Polizeisprecher.
Raketen und Böller waren wieder erlaubt
Nach zwei Jahren Pause wegen der Coronapandemie durften in diesem Jahr in der Nacht zu Neujahr in Deutschland wieder Raketen und Böller gezündet werden. Zum Verkaufsstart am Donnerstag gab es vor einigen Geschäften bereits am Morgen lange Schlangen.
Auch Klubs und Diskotheken hatten nach den Coronaeinschränkungen der Vorjahre diesmal wieder geöffnet. Auf der Hamburger Reeperbahn beispielsweise vergnügten sich einige Tausend Feiernde, dicht an dicht gedrängt und aufgrund milder Temperaturen um 15 Grad sogar teilweise im T-Shirt.
In Berlin feierte das ZDF seine Silvesterparty am Brandenburger Tor. Die Feier war jedoch deutlich kleiner angelegt als in früheren Jahren. Die rund 2500 Karten für die Show waren zwar alle vergriffen. Laut Polizei kamen am Ende aber nur rund 1300 Menschen, die über Stunden friedlich und ausgelassen zu den Songs von Künstlern wie den Scorpions und Sasha schunkelten und klatschten.
Übertönt wurde die Musik schon lange vor Mitternacht von zahllosen Böllern und Raketen, die auf der Straße des 17. Juni hinter dem Brandenburger Tor abgefeuert wurden. Ein offizielles Feuerwerk sollte es dort in diesem Jahr nicht geben. Tausende Menschen aber, die es nicht in den abgesperrten Bereich vor dem Tor schafften, hatten ihre eigenen Raketen mitgebracht. Dabei sei es immer wieder zu Zwischenfällen und Konflikten auch mit Einsatzkräften gekommen, sagte ein Polizeisprecher.
In Leipzig starb laut Polizei ein 17-Jähriger
Wie viele größere Unfälle mit Feuerwerk und Böllern es rund um den Jahreswechsel gab, lässt sich am Sonntagmorgen noch nicht genau sagen. In Leipzig allerdings wurde laut Polizeiangaben ein 17-Jähriger beim Einsatz von Pyrotechnik so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus starb. Die Polizei schloss Fremdverschulden aus, konnte zunächst aber keine näheren Angaben zu dem Vorfall machen.
Im thüringischen Friemar wurde ein 42-Jähriger beim Hantieren mit im Internet bestellten Böllern so schwer verletzt, dass ihm laut Polizei beide Unterarme amputiert werden müssen. In Schleiz-Crispendorf, das ebenfalls in Thüringen liegt, explodierte eine illegale Kugelbombe beim Anzünden und riss einem 21-Jährigen die Hand ab.
In Sachsen-Anhalt erfasste ein betrunkener Autofahrer mit seinem Wagen einen Mann, der gerade auf der Straße Feuerwerkskörper anzündete. Der 42-Jährige wurde mehrere Meter weit über die Fahrbahn geschleudert und starb noch am Unfallort in Schönebeck (Elbe). In Baden-Württemberg wurde ein 39-Jähriger durch einen selbst entzündeten Feuerwerkskörper, der seine rechte Gesichtshälfte traf, schwer verletzt.