Von Hannover bis Düsseldorf Diese Städte weiten Böllerverbote aus
Feuerwerksverbot in der historischen Innenstadt von Lüneburg
Foto: Philipp Schulze/ dpaBereits seit Längerem wird in Deutschland über Verbote von privaten Silvesterfeuerwerken diskutiert. Um Exzesse zum Jahreswechsel zu verhindern, haben einige Kommunen nun neue Verbotszonen eingerichtet. Auch sollen mehr Polizisten an Silvester im Einsatz sein, um für einen entspannten Jahreswechsel zu sorgen.
So wird es in Hannover erstmals eine Böllerverbotszone im Stadtzentrum geben. Die Polizei erwartet dort, dass die Situation durch das neue Verbot deutlich entspannter werde als letztes Jahr. Zum Jahreswechsel 2017/18 war es mehrfach zu gefährlichen Situationen gekommen, weil Böller inmitten von Menschenansammlungen gezündet wurden. In Hannovers Verbotszone werde zwar kontrolliert, der Zugang werde aber weder mit Gittern abgesperrt noch werde jeder einzelne durchsucht.
Auch Köln und Düsseldorf wappnen sich mit mehr Personal für Kontrollen und Einsätze für den Silvesterabend. Bahnhofsvorplatz und Domplatte in Köln werden hell ausgeleuchtet. An Silvester 2015/16 waren rund um den Kölner Hauptbahnhof zahlreiche Frauen sexuell bedrängt und bestohlen worden. Rund um den Dom dürfen keine Feuerwerke abgebrannt werden. Das Verbot wurde dieses Jahr um zwei Straßen erweitert.
In Düsseldorf herrscht in der gesamten Altstadt Böllerverbot. Auch auf dem Burgplatz am Rhein bietet Licht mehr Sicherheit: Bei Bedarf kann die Beleuchtung entsprechend verstärkt werden.
In Dortmund ist das Zünden von Feuerwerk und Pyrotechnik in zwei Innenstadt-Zonen nahe dem Hauptbahnhof verboten. In Stuttgart scheiterte dagegen ein Versuch, Feuerwerk zu verbieten. In Berlin hätte die rot-rot-grüne Landesregierung gern schon dieses Jahr weitergehende Verbotszonen eingerichtet. Der Linken-Abgeordnete Niklas Schrader sagte dem RBB, das Bundessprengstoffgesetz verbiete es den Bezirken aber, die Böllerei ganz zu untersagen. Darum wolle man auf Bundesebene aktiv werden.
In historischen Altstädten wie etwa Göttingen, Lüneburg, Weimar oder auch Tübingen dürfen schon seit Längerem keine Feuerwerkskörper mehr abgebrannt werden.
Hohe Gewaltbereitschaft an Silvester
Forderungen nach weiteren Verboten sieht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisch. "Die derzeitige Diskussion um ein Verbot von Silvesterfeuerwerk in eng besiedelten Stadtgebieten sehe ich skeptisch, da die Polizei die hierzu notwendigen Kontrollen personell überhaupt nicht leisten kann", sagte GdP-Chef Oliver Malchow.
"Schon jetzt sind Tausende meiner Kolleginnen und Kollegen rund um den Jahreswechsel bundesweit im Einsatz, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen." Die bereits bestehenden punktuellen Verbote seien "völlig richtig und werden von den Einsatzkräften auch kontrolliert".
Gewerkschaftsangaben zufolge stellen Polizeibeamte in den vergangenen Jahren eine erhebliche Gewaltbereitschaft rund um den Jahreswechsel fest. "Am Silvestertag wird seit Jahren viel Aggressivität und Respektlosigkeit wahrgenommen", sagte Malchow. Dies betreffe nicht nur die Polizei, sondern auch Rettungskräfte und Feuerwehrleute.
"Da werden Böller beispielsweise gezielt auf Menschen geworfen und Raketen verantwortungslos in Richtung von Häusern abgeschossen. Die Gewalt trifft auch immer öfter Einsatzkräfte, die Orte mit Verletzten oder Brandstellen sichern."
"Besonnen und verantwortungsvoll" zünden
Derweil haben das Bundesinnenministerium und das Umweltbundesamt zu einem maßvollen Umgang mit Silvesterfeuerwerk aufgerufen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings (CDU), sagte dem "Tagesspiegel", Feuerwerk gehöre für viele Menschen zu Silvester dazu. "Aber jeder, der Feuerwerkskörper zündet, sollte dies besonnen und verantwortungsvoll tun und die Gefahren für sich und andere kennen."
Auf keinen Fall dürfe ein Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen oder großen Menschenansammlungen abgebrannt werden, sagte Krings der Online-Ausgabe der Zeitung.
Die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, machte vor allem Umweltaspekte geltend. Wer zu Silvester weniger Feuerwerk benutze oder ganz darauf verzichte, könne dazu beitragen, "die Feinstaubbelastung zu verringern".