Single-Gottesdienste in Warschaus katholischen Kirchen - DER SPIEGEL
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Kirchliche Partnervermittlung: Auf der Suche nach denselben Werten

Foto: WOJTEK RADWANSKI/ AFP

Single-Gottesdienste "In der Krypta hat es schon oft gefunkt"

Männer und Frauen in Polen haben offenbar Probleme, einen Partner fürs Leben zu finden. Wie gut, dass die katholische Kirche das Manko erkannt hat: Sie veranstaltet jetzt Single-Gottesdienste.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Warschau - Schüchtern stehen die jungen Frauen und Männer im Gemeindesaal der Warschauer Himmelfahrtskirche. Der Pfarrer verteilt Tee und Kekse und versucht, Gespräche in Gang zu bringen. Gerade hat er seinen fünften Gottesdienst für Singles zelebriert, nun sollen die einsamen Herzen zueinander finden.

Etwa 250 Singles zwischen 20 und 40 Jahren sind der Einladung zum Gottesdienst für Alleinstehende gefolgt. In der Predigt geht es um die Beziehung zwischen Mann und Frau, die Schwierigkeiten, sich zu verstehen. Danach beten alle gemeinsam dafür, die Frau oder den Mann fürs Leben zu finden. Das anschließende Beisammensein ist die erste Chance, diesen Wunsch zu verwirklichen.

Langsam entspannt sich die Stimmung im Gemeindesaal, es wird geplaudert und gelacht. "Die grundlegenden Werte verfallen. Deshalb triffst du eine potentielle Ehefrau, die deine Ansichten teilt, nicht in der Disco", sagt Krzysztof Merchel. Der 30 Jahre alte Schweißer besucht zum ersten Mal einen Single-Gottesdienst.

Mit den Gottesdiensten für Alleinstehende will die katholische Kirche Singles eine Alternative zur Partnersuche im Internet und über kommerzielle Partnervermittlungen bieten. In der Hauptstadt Warschau feiern bereits drei Gemeinden Single-Messen, und auch in Krakau im Süden und Olsztyn im Norden gibt es entsprechende Angebote.

Die Idee zu den Single-Gottesdiensten in der Himmelfahrtskirche stammt von Matylda Krzysiak. Vier Jahre lang setzte sich die 34-Jährige dafür ein, bis sie schließlich den neuen Pfarrer davon überzeugen konnte. "Die Leute verbringen ihre Zeit im Internet. Viele fühlen sich einsam und alle arbeiten zu viel", sagt die elegante blonde Ärztin, die selbst auch noch auf der Suche nach einem Mann ist.

Der Jurastudent Tomasz Olejek begleitet einen Freund zum Single-Gottesdienst. Er selbst ist bereits liiert. Auch dem 23-Jährigen hat die Kirche zu einer Freundin verholfen - er lernte sie beim Plaudern nach der Sonntagsmesse kennen. "Acht Jahre lang habe ich eine Frau im Internet gesucht, ohne Erfolg. Dann habe ich meine Freundin im wirklichen Leben gefunden. Man muss einfach rausgehen und die Augen offen halten", sagt der Student.

Die Kirchen seien immer schon ein Ort gewesen, an dem christliche Paare sich gefunden hätten, sagt der Soziologe Pawel Boryszewski. Nun gingen die Gemeinden lediglich offensiver damit um und sprächen die Gläubigen direkt an.

Mehr als 90 Prozent der 38 Millionen Polen bezeichnen sich als gläubige Katholiken, der Einfluss der Kirche schwindet jedoch. "Viele machen die Kirche schlecht", beklagt Krzysiak. Viele hielten die Single-Gottesdienste lediglich für einen Werbetrick der Kirche, mit dem sie ihre Kasse füllen wolle. Dabei seien die Abende doch kostenlos, sagt Krzysiak.

Die Kirche in Polen reagiere auf ein Bedürfnis der Gläubigen, sagt der Pfarrer Aleksander Jacyniak. Der 54-Jährige organisiert in der Jesuiten-Kirche in der Warschauer Altstadt ebenfalls Single-Messen. Sein Vorgänger hat sie ins Leben gerufen, nachdem ihm viele junge Menschen ihr Leid bei der Beichte geklagt hätten. "Sie haben ihr Studium beendet, Arbeit gefunden, eine Wohnung gekauft - das einzige, was ihnen fehlt, ist eine Frau oder ein Mann", sagt Jacyniak.

"Ich fühle mich leer in meinem Innern", sagt auch Ewelina Andrejczyk. Die 20-Jährige mit den bunt gefärbten Haaren ist einer von rund 50 Singles, die sich in der Krypta der Jesuitenkirche treffen. Noch hat die Agrarwissenschaftsstudentin niemanden gefunden, der sie interessiert. Aber Pfarrer Jacyniak ist zuversichtlich, in der Krypta habe es schon oft gefunkt. Und einige Besucher der Single-Abende habe er bereits vor dem Traualtar wiedergetroffen.

Anna Maria Jakubek, AFP