Spanien Das Schweigen der Bischöfe
Spanischer Bischof Cañizares (2006): Fürchterliche Äußerungen zum Missbrauchsskandal
Foto: PIER PAOLO CITO/ ASSOCIATED PRESSHamburg - Spanien gilt als Bastion des Katholizismus in Europa, noch von 1953 bis 1978 war die Konfession sogar als Staatsreligion festgeschrieben. Doch auch auf der iberischen Halbinsel verliert die katholische Kirche ihre mächtige Position - was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass sie auf drängende Fragen der Moderne zumeist nur fundamentalistische Antworten findet.
So kommentierte Kardinal Antonio Cañizares den Missbrauch in Institutionen der katholischen Kirche Irlands noch im vergangenen Jahr mit den Worten, der Missbrauch von Kindern falle weniger schwer ins Gewicht als Abtreibung. Die Misshandlungen seien zwar "zu verurteilen" und verlangten nach "unserer Bitte um Entschuldigung". Doch das, "was in ein paar Schulen geschehen" sei, sei nicht vergleichbar "mit den Millionen Leben, die durch Abtreibung zerstört" würden.
Solche Äußerungen tragen kaum dazu bei, vor allem die junge Generation an die Kirche heranzuführen. Zwar gehören rund 90 Prozent aller Spanier der römisch-katholischen Kirche an. Doch als praktizierend bezeichnet sich nach Umfragen der Tageszeitung "El Pais" und der Bertelsmann-Stiftung nur rund die Hälfte von ihnen.
Katholische Kirche in Europa: Ringen mit der Schuld
Zwar gibt es in der katholischen Kirche Spaniens zum jetzigen Zeitpunkt kein Missbrauchsphänomen, das mit dem in Irland oder Deutschland zu vergleichen wäre, doch auch in der Hauptstadt Madrid und anderen Gemeinden kamen zuletzt einzelne Fälle ans Tageslicht. "Wir sind sehr besorgt. Wir fragen uns, ob es nicht auch hier viel mehr Fälle gibt als bislang bekannt", sagt Raquel Mallavibarrena SPIEGEL ONLINE. Die Vorsitzende der internationalen Organisation "Wir sind Kirche" hofft, dass die Täter vor staatliche Gerichte gestellt werden.
Das ist in der Vergangenheit allerdings nicht geschehen. Unter anderem, weil die spanischen Kirchenoberen wenig Willen zur Aufklärung zeigten. Der Missbrauchsskandal in Europa könnte der Kirche nun eine Chance zu mehr Offenheit bieten. Darauf hofft Mallavibarrena, doch bislang sei in Spanien von einem Wandel wenig zu spüren: "Die Bischöfe folgen den Leitlinien des Vatikan. Sie sind sehr vorsichtig, sie warten nur ab, ob weitere Fälle bekannt werden."