Sterbehilfe-Debatte: Hospizstiftung kritisiert Kusch - DER SPIEGEL
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Sterbehilfe-Debatte Hospizstiftung kritisiert Kusch

Sein öffentliches Ja zu aktiver Sterbehilfe hat dem Hamburger Justizsenator Roger Kusch harsche Kritik eingebracht. Die Deutsche Hospizstiftung reagierte empört auf den Vorstoß des Christdemokraten. Auch der Hamburger Senat distanzierte sich von Kusch.
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Hamburg - "Verantwortungsvolle, mitfühlende Sterbehilfe ist für mich kein Verstoß gegen humane Grundwerte, sondern ein Gebot christlicher Nächstenliebe", schrieb Kusch in einem Beitrag für das "Hamburger Abendblatt". Kusch hat sich damit als erster führender CDU-Politiker für aktive Sterbehilfe ausgesprochen.

Kusch setzte sich für die Änderung des Paragrafen 216 des Strafgesetzbuchs (StGB) ein, der Tötung auf Verlangen unter Strafe stellt. Dafür müssen nach Ansicht des Senators drei Voraussetzungen erfüllt sein: Ein Arzt müsse die tödliche Krankheit feststellen und die Betroffenen eingehend beraten. Außerdem müsse eine notariell beglaubigte Erklärung des Sterbenden vorliegen, die bei vollem Bewusstsein abgegeben worden sein muss.

Der Vorstoß löste eine Protestwelle aus. Ein Sprecher des Hamburger Senates erklärte, Kusch habe sich als Privatperson geäußert. Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte Kuschs Äußerungen scharf. Man sei "zutiefst entsetzt", sagte der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, in Dortmund. Schwerstkranke und Sterbende brauchten weder Mitleid noch Gnade, sondern Zuwendung und hochprofessionelle Versorgung.

Die Hamburger Junge Union erklärte, die Tötung eines Menschen dürfe nicht die Antwort auf Leid und Krankheit sein. Stattdessen müsse die menschliche Sterbebegleitung gestärkt werden. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen kritisierte, dass Kusch im Zusammenhang mit der Sterbehilfe das Abtreibungsrecht erwähnte. Kusch hatte geschrieben, er sei verwundert darüber, dass aktive Sterbehilfe mit mindestens sechs Monaten Haft bestraft werde, Abtreibung aber straffrei sei.

Die neuerliche Diskussion über Sterbehilfe hatte im September nach der Gründung eines deutschen Tochtervereins der Schweizer Organisation Dignitas begonnen. Der Verein will nach eigener Aussage Schwerstkranken in Deutschland die Möglichkeit geben, sich Informationen über einen selbstbestimmten Tod zu verschaffen. Am Wochenende hatte sich Bundespräsident Horst Köhler gegen aktive Sterbehilfe ausgesprochen.