Süditalien Tausende fliehen vor Schlammlawinen
Süditalien: Tausende fliehen vor Schlammlawinen
Foto: Carmelo Imbesi/ APMessina - Tagelang hatte es im süditalienischen Kalabrien ununterbrochen geregnet. Dann lösten sich die ersten Erdrutsche. Bereits am Montagabend wurden Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht. Am Dienstag dann räumten die Rettungskräfte das gesamte kalabrische Dorf Maierato in der Provinz Vibo Valentia.
"Der Berg rutscht einfach ab - ein apokalyptisches Spektakel", beschrieb der Bürgermeister des Orts, Sergio Rizzo, die Situation. Herabstürzende Schlammmassen hätten das gesamte Dorf bedroht. Rund 2300 Bewohner der Siedlung wurden laut "Repubblica" vorübergehend in der Polizeischule und einer nahegelegenen Sporthalle untergebracht.
Katastrophenalarm in Messina
Ebenso dramatisch ist die Situation in San Fratello im Westen der Hafenstadt Messina in Sizilien, wo heftige Regengüsse der vergangenen Tage zu Erdrutschen geführt hatten. 2000 Bewohner des 4000-Seelen-Orts wurden seit dem Wochenende in Übergangsunterkünften untergebracht.
Schlammlawinen: Katastrophenalarm in Messina
Regionalpräsident Raffaele Lombardo rief am Dienstag den Katastrophenzustand für den Großteil der Provinz von Messina aus. Laut Angaben des italienischen Landwirtschaftsverbands Coldiretti liegen 84 Prozent der Ortschaften um Messina auf gefährdetem Gebiet. In Kalabrien seien es fast 100 Prozent.
Im vergangenen Oktober hatte ein von Starkregen verursachter Erdrutsch südlich von Messina 37 Menschen in den Tod gerissen. Experten hatten im Vorfeld der Katastrophe wiederholt vor den Gefahren gewarnt, waren jedoch nicht gehört worden. Sie veranschlagten die Kosten für die Sicherung des Geländes auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Von der Zentralregierung erhielt die Region aber nur sieben Millionen Euro.
Bereits in den Jahren 2000, 2003 und 2008 hat es in Norditalien Todesopfer nach Erdrutschen und Überschwemmungen gegeben. 1998 starben nahe dem Vesuv 160 Menschen in einer riesigen Schlammlawine. Dem Zivilschutz zufolge kosteten Italiens Naturkatastrophen den Staat allein von 1997 bis 2003 etwa 32 Milliarden Euro.
Zwar erhielt allein Sizilien hat in den vergangenen 13 Jahren etwa 270 Millionen Euro aus europäischen Fördermitteln, um für mehr Sicherheit in den betroffenen Regionen zu sorgen. Wie die Gelder investiert wurden, ist aber nicht bekannt.