Übertriebene Terrorangst Muslime bitte aussteigen!
Washington - Sie verhielten sich wie alle anderen auch - und trotzdem fielen sie einigen Mitreisenden sofort auf: zwei Imame aus Memphis (Tennessee), die auf dem Weg zu einer Konferenz über Vorurteile gegen islamische Gläubige waren. Einige Passagiere nahmen die traditionelle Kleidung der Männer zum Anlass, ihnen terroristische Absichten zu unterstellen. Also forderten sie die Crew auf, etwas zu unternehmen.
Als die Maschine der Atlantic Southeast Airlines bereits Richtung Startbahn rollte, brach an Bord eine regelrechte Unruhe aus. Deshalb kehrte das Flugzeug zum Gate zurück. Die Muslime mussten aussteigen und sich erneut intensiv durchsuchen lassen. Doch obwohl der Check die Haltlosigkeit der Verdächtigungen bewies, verweigerte der Pilot den beiden Fluggästen anschließend den Zutritt zu der Maschine.
Auch ein Angestellter einer anderen Fluggesellschaft, der sich der Sache annahm, konnte den Pilot nicht umstimmen. Augenzeugen zufolge verließ er nach dem Gespräch im Cockpit mit hochrotem Kopf die Maschine. Das Flugzeug hob anschließend in Richtung Charlotte (North Carolina) ab. Ohne die beiden Imame an Bord.
In den USA herrscht seit der Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden fast hysterische Angst vor Vergeltungsschlägen des Terrornetzwerks. Atlantic-Southeast-Airlines war der Vorgang dennoch peinlich. Den beiden Betroffenen seien Ersatzflüge angeboten worden, erklärte ein Sprecher. Die Fluggesellschaft entschuldige sich für jegliche Unannehmlichkeiten. "Wir nehmen Sicherheit sehr ernst, der Vorfall wird derzeit untersucht."
Der "Rat Amerikanisch-Islamischer Beziehungen" (CAIR) kritisierte das Verhalten der Fluggesellschaft. Nach Angaben von CAIR-Sprecher Ibrahim Hooper wollten die Männer zu einer Tagung über Vorurteile gegen Muslime reisen. Ein Anwalt ließ gegenüber dem Nachrichtensender CNN offen, ob die Imame juristisch gegen Atlantic Southeast vorgehen werden.