USA: Krawalle bei Anti-Nazi-Demonstration - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

USA Krawalle bei Anti-Nazi-Demonstration

In Toledo im Bundesstaat Ohio löste eine Kundgebung von Neonazis Unruhen aus. Teile der überwiegend schwarzen Gegendemonstranten randalierten, nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte. Der Bürgermeister rief den Notstand aus und verhängte ein Ausgehverbot.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Toledo - Bei Protesten gegen einen Marsch amerikanischer Neonazis sind in Ohio mindestens 65 Personen festgenommen worden. Rund 600 Gegendemonstranten stellten sich dem Marsch von etwa 25 Mitgliedern der Nazipartei (America's Nazi Party) entgegen, die sich unter Polizeischutz in einem Park der Stadt Toledo versammelt hatten.

Nachdem die Polizei versucht hatte, die beiden Gruppen mit Tränengas auseinanderzutreiben, zogen zahlreiche Gegendemonstranten randalierend durch die Straßen eines armen Stadtviertels, zertrümmerten Autos und setzten eine Spirituosenhandlung in Brand. Mehr als zwei Dutzend Menschen wurden festgenommen. Polizisten und Feuerwehrmänner erlitten leichtere Verletzungen. Die Auseinandersetzungen dauerten mehrere Stunden.

Fotostrecke

USA: Gewalt nach Neonazi-Aufmarsch

Foto: REUTERS / The Blade / Allan Detrich

Die Neonazi-Gruppe wollte gegen schwarze Gangs protestieren, die ihrer Meinung nach Weiße belästigten.

Als sich Bürgermeister Jack Ford an die Menge wandte, wurde er beschuldigt, den Marsch der Neonazis erlaubt hatte. Der Bürgermeister rief den Notstand aus und verhängte für das Wochenende ein Ausgehverbot. Ford sagte, er sei bestürzt, dass auch Mütter mit Kindern unter den Gegendemonstranten gewesen seien.

Kundgebung gegen Rassismus in Washington

Zehntausende Afroamerikaner hatten gestern in Washington gegen Rassismus und Armut demonstriert. Die Teilnehmer reisten aus zahlreichen Bundesstaaten der USA an, um gegen die anhaltende Benachteiligung der Schwarzen im eigenen Land zu protestieren.

Die Kundgebung fand unter dem Motto "Millions More Movement" statt - in Anlehnung an eine der größten Kundgebungen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung vor genau zehn Jahren, die das Motto "Million Man March" hatte und die Schwarzen in den USA aufrief, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.

Prominente afroamerikanische Verbände hatten dazu aufgerufen, sechs Wochen nach dem Hurrikan "Katrina" ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern zu setzen. Mehrere Redner warfen der US-Regierung vor, den überwiegend schwarzen Bewohnern von New Orleans nach dem Wirbelsturm nicht geholfen zu haben.

"Graben zwischen zwei Amerikas"

"Wenn die Menschen auf diesen Dächern blondes Haar und blaue Augen und eine helle Haut gehabt hätten, wäre rechtzeitig etwas unternommen worden", sagte Louis Farrakhan, Gründer der Nation of Islam, der zu den Organisatoren der Großkundgebung zählte. Die USA hätten ihre Sorgfaltspflicht verletzt.

Auch der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat und Bürgerrechtler Jesse Jackson verwies auf die Bilder der Schwarzen, die vom Hochwasser in New Orleans eingeschlossen waren: Diese sollten einen Anstoß zu politischem Handeln geben, um die Misere der Afroamerikaner und der Armen zu beenden. "Wir demonstrieren, weil es immer noch einen Graben zwischen zwei Amerikas gibt."