Polygamisten in Utah: Die Großfamilie Brown
Ein Mann, vier Frauen Gericht kippt Polygamie-Urteil in Utah
Kody Brown liebt seine Frau Robyn. Und seine Frau Christine. Und seine Frau Meri. Und seine Frau Janelle. Der Mann aus dem US-Bundesstaat Utah ist Polygamist - und gemeinsam mit seinen Frauen hat er nun vor einem Bundesgericht eine Niederlage erlitten.
2013 hatte ein Gericht nach einer Klage der Browns entschieden, dass wesentliche Teile der Bigamie-Gesetze in Utah nicht rechtmäßig seien. Es war ein Erfolg für die Familie, deren Leben in der TV-Serie "Sister Wives" ("Alle meine Frauen") gezeigt wird. Das Gericht urteilte, es verstoße gegen das Recht auf Privatsphäre und religiöse Freiheit, wenn es verboten sei, mehrere Heiratsurkunden gleichzeitig zu haben.
Diese Entscheidung wurde nun gekippt. Das Berufungsgericht befand, die Klage hätte gar nicht erst geprüft werden durften. Brown und seine Frauen seien niemals wegen einer Straftat angeklagt worden - und daran werde sich vermutlich auch nichts ändern. Wo keine Strafverfolgung zu erwarten sei, werde auch niemand in seinen Rechten beschnitten. "Ich denke nicht, dass die Browns berechtigterweise Angst vor Strafverfolgung haben mussten", sagte Parker Douglas, der Utah in dem Gerichtsverfahren vertrat.
Damit gilt in dem US-Bundesstaat, dass das Zusammenleben mit einem zweiten "Ehepartner" offiziell verboten ist. Brown ist mit einer Frau gesetzlich verheiratet, mit den anderen dreien "spirituell verheiratet". Bis 2014 war Meri die offiziell anerkannte Ehefrau. Dann ließ sich Kody Brown von ihr scheiden und heiratete kurz darauf Robyn, um deren Kinder adoptieren zu können. Insgesamt gibt es in der Familie 18 Kinder.
"Anders zu lieben, als es der Norm entspricht"
Die Behörden in Utah verfolgen nach eigener Aussage seit Langem die Strategie, Polygamisten in Ruhe zu lassen, solange diese sich anderweitig gesetzestreu verhalten. Das gelte weiterhin, hieß es nun nach der Gerichtsentscheidung.
Man sei aber froh, dass das Gesetz weiter bestehe - um gegen Straftaten in Zusammenhang mit Polygamie vorgehen zu können, etwa Ehe mit Minderjährigen oder sexuelle Gewalt. Als Beispiel nannten Ermittler Warren Jeffs, einen polygamen Sektenführer, der wegen sexueller Übergriffe gegen zwei Mädchen verurteilt wurde, die er als seine Ehefrauen ansah.
Es sei unfair, Leute wie die Browns mit Straftätern wie Jeffs zu vergleichen, sagt Brady Williams, der selbst fünf Frauen hat. Man sei nur einer Sache schuldig: "Anders zu lieben, als es der Norm entspricht." Polygamisten würden ausgegrenzt, für Williams verstößt das gegen die Verfassung. Die aktuelle Gerichtsentscheidung werde nur eines bewirken: Dass sich polygame Familien aus Angst vor Strafverfolgung verstecken und Misstrauen vor den Behörden entwickeln. "Sister Wives" zeige, dass Vielehen genauso gesund und glücklich sein könnten wie eine monogame Beziehungen.
In jedem Fall werden die Browns die juristische Niederlage nicht hinnehmen. Ihr Anwalt Jonathan Turley wird die Entscheidung anfechten, will notfalls bis zum US-Verfassungsgericht gehen. "Die zugrunde liegenden Rechte der Religions- und Meinungsfreiheit sind zu wichtig, um sie preiszugeben", sagte Turley.
Gerichtsunterlagen zufolge leben in Utah etwa 30.000 Polygamisten. Sie glauben, Polygamie werde ihnen im Himmel ein Hochgefühl bringen. Diese Überzeugung ist ein Überbleibsel aus der Lehre der mormonischen Glaubensgemeinschaft. Die mormonische Kirche hat sich 1890 von der Vielehe distanziert und verbietet sie heute strikt. Die Browns gehören den "Apostolic United Brethren" an.
Auch in anderen US-Bundesstaaten versuchen Polygamisten, ihrer Form der Ehe Anerkennung zu verschaffen. Nathan Collier aus Montana und seine Frauen Victoria und Christine etwa, ebenfalls bekannt aus "Sister Wives". Sie haben angekündigt, unter Berufung auf die Legalisierung der Homo-Ehe durch den Obersten Gerichtshof darum zu kämpfen, mehrere Heiratsurkunden haben zu dürfen.