Uups! - et orbi Das Kreuz des Ostens
Rom - Man kann nicht alles alleine machen. Deswegen wird auch der Papst dieses Ostern den Kreuzweg im Kolosseum erstmals nicht ganz mitlaufen. Nur die letzten drei Stationen. Sein Arzt hat ihm geraten, mit der Passion ein wenig hauszuhalten.
Und politisch sowieso. Benedikt XVI. hatte dieses Jahr ausgerechnet Kardinal Joseph Zen Ze-Kiun aus Hongkong beauftragt, die Karfreitags-Meditation zu verfassen. Das ist eine große Ehre und ein Hinweis, wie wichtig dem Vatikan derzeit die Katholiken in China sind.
Dumm, dass der Aufstand in Tibet dazwischen gekommen ist. Um Peking jetzt nicht zu reizen und den Dialog nicht zu gefährden, wurde Zen gebeten, einen Satz aus der Meditation zu streichen, nämlich: "Seit Jahren ist mein Volk zum Martyrium gezwungen, nur weil es christlich ist." Die Vignetten in der gedruckten Fassung des Textes, alle in chinesischem Stil, lassen allerdings keinen Zweifel, wo heute das Kreuz in Leiden getragen wird: in Fernost.
Es hatte vier Tage gedauert, bis der Papst sich zu Tibet geäußert hatte: "Mit großer Sorge verfolge ich in diesen Tagen die Entwicklungen im Tibet. Mein väterliches Herz fühlt die Trauer und das Leid vieler Menschen. Das Geheimnis der Passion und des Todes Jesu, das wir in dieser Heiligen Woche erleben, möge uns helfen, sensibler auf ihre Situation einzugehen", sagte er bei seiner Mittwochsaudienz.
Am Palmsonntag, während in Lhasa auf Mönche eingeschlagen wurde, hatte Prof. Dr. Papst über biblische Tempelrituale gesprochen und die Frage, ob sich auch Heiden im Vorhofe des Glaubens unseren Gebeten anschließen können. Die realexistierende Passion der Betenden im Himalaja war kein Wörtchen wert. Und das war vielleicht nicht einmal böser Wille.
Benedikt XVI. ist nur von Wichtigkeiten wie Diplomatie und Außenpolitik innerlich überhaupt nicht überzeugt. Sein Vorgänger aus Polen verstand sich auf das Geschäft des Geopolitikers, Ratzinger nicht. In seiner Welt ist es von tagespolitischer Wichtigkeit, was auf dem Konzil von Chalkedon (451 A.D.) über die Liturgie gesagt wurde.
Inzwischen hat der Papst seinem Kardinalstaatssekretär Bertone, der Nummer Zwei im Vatikan, praktisch freie Hand gegeben. Der reiste in den letzten neun Monaten sieben Mal zu Terminen, die eigentlich Chefsache sind. In Kuba war er dabei, als Fidel zurücktrat, und versicherte dessen Bruder der Solidarität des Vatikans, was die Aufhebung des Embargos angeht. Er sehe eine "Öffnung", erklärte der Kardinal - zur Enttäuschung der Dissidenten.
In Armenien, Polen, Argentinien, Peru, Spanien und Aserbeidschan hatte Bertone ein Besuchsprogramm wie seinerzeit Johannes Paul II. Er traf alle, Politiker, Kleriker, Intellektuelle und Diplomaten, weihte Kirchen ein, hielt Vorlesungen und unterzeichnete Abkommen. In Havanna, so sagte Bertone dem "Osservatore Romano", sei er schon mit Rufen begrüßt worden: "Es lebe der Papst!"